Autor Thema: Athelia "centrifuga" - ein interessanter Flechtenfresser  (Gelesen 99 mal)

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Offline Christoph

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Re: Athelia "centrifuga" - ein interessanter Flechtenfresser
« Antwort #3 am: 3. Januar 2018, 13:39 »
Danke Thomas  :)

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline blacky

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Re: Athelia "centrifuga" - ein interessanter Flechtenfresser
« Antwort #2 am: 3. Januar 2018, 12:30 »
Lieber Christoph,
kurz gesagt:
Super Beitrag. Danke!
LG
Thomas
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Offline Christoph

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Athelia "centrifuga" - ein interessanter Flechtenfresser
« Antwort #1 am: 3. Januar 2018, 00:00 »
Liebe Foristi,

ich beschäftige mich ja ab und zu mit Pilzen an / auf Flechten. Sehr auffällig sind m.E. flechtenfressende Athelia-Arten. Athelia arachnoidea gehört beispielsweise dazu - sie wächst auch an stehenden Bäumen, bildet ihre Fruchtkörper auf den Flechten und frisst diese auf. Anhand ihrer zweisporigen Basidien ist diese Art leicht kenntlich (neben der Sporenform und - größe) - wenn sie fertil ist. Allerdings findet man Athelia arachnoidea auch am Boden an diversem Substrat. Obligat flechtenfressend ist sie also wohl nicht.

Im Nationalpark Bayerischer Wald habe ich an einem Sukzessionprojekt an Windwürfen gearbeitet. Kurz nach dem Fall der Bäume kamen schon die Athelien und knabberten an den nun unterseits im Schatten sich befindenden Flechten an den Fichtenstämmen. Meist waren die Athelien steril, manchmal hatte ich aber Glück und fand Basidien / Sporen und kam dann in der Gruppe rund um Athelia epiphylla heraus (namentlich beispielsweise Athelia salicum).

Im letzten Winter fand ich dann hier bei mir in der Nähe, genau gesagt in Fürstenfeldbruck im Park gegenüber vom Kloster Fürstenfeld, wieder eine schöne Athelia an Flechten - diesmal am lebenden, aufrecht stehenden Baum. Die Athelia wächst dabei meist kreisrund und dünnt in der Mitte wieder aus, woher der Name Athelia centrifuga herrührt. Man sieht auch schön, dass sich winzige Sklerotien bilden. Diese bestehen aus unreifen Büscheln junger Basidien - also aus Probasidien nebst Subhymenium / Trama, aber allesamt steril. Ich vermute, dass diese Mikrosklerotien als Verbreitungseinheiten dienen (über Tiere? Über Wind?).



Oben: viele, winzige Sklerotien, die hier wie kleine, weiße Punkte erscheinen





Sehr junger Überzug, noch ohne Sklerotien (natürlich steril)

Athelia "centrifuga" ist eine Sammelbezeichnung für sterile Athelien an lebenden / absterbenden Flechten - es verbergen sich also mehrere Arten dahinter (Ath. epiphylla, Ath. salicum, Ath. arachnoidea usw.). Genauer bestimmen kann man die Arten anhand der Mikrosklerotien meines Wissens nicht.

Es gibt sogar eine Athelia, von der man keine Hauptfruchtform kennt: Athelia rolfsii = Sclerotium rolfsii. Sie bildet ebenfalls diese Mikrosklerotien aus, ist aber ein Pflanzenparasit (an Tomaten, Zwiebeln, diversen anderen Nutzpflanzen...).

Der Lebenszyklus der Flechtenfresser ist noch nicht bekannt - gehen die genannten Arten immer an Flechten? Warum gibt es sie dann auch in der Streu an Ästchen etc.? Oder sind sie nur potentiell licheniphag und bilden nur an Flechten die Sklerotien aus, an anderen Substraten aber friedlich normalen Fruchtkörper - oder ist es nicht die Flechte, sondern die Alge, die sie anzieht? Und sind sie auch am Boden auf Algen fixiert?

Es gäbe viel zu forschen, doch wer interessiert sich für Athelien? Vielleicht kann ich ein bisserl anregen, auf diese Flechtenfresser zu achten. Die Fotos stammen aus dem Dezember 2015.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 3. Januar 2018, 00:02 von Christoph »
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