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Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa

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Christoph:
Servus Thomas,

gern geschehen  ;)

Liebe Grüße und danke für die nette Rückmeldung,
Christoph

blacky:
Besten Dank Christoph für die tolle Arbeit.
LG
Thomas

Christoph:
Servus beinand,

nachdem jetzt in der aktuellen Mycologia als Vorabpublikation nochmals die Gattung Hydnum durchgeackert wurde (Niskanen et al. 2018), habe ich versucht, nach dem jetzigen Stand einen aktualisierten Schlüssel zu basteln. Das Basteln war aber gar nicht so einfach, da die Zahl der Arten steigt, dafür die Genauigkeit der Ausarbeitung der Arten sinkt. Als Extrembeispiel nenne ich mal Hydnum mulsicolor, den Niskanen et al. (2018) neu beschrieben haben - sie haben offenbar vergessen, die Mikromerkmale zu beschreiben. Man findet nur Makromerkmale (kurz) und in der Diskussion zur Abgrenzung zu ähnlichen (also fast allen anderen) Hydnum-Arten die mittleren Sporenmaße des Typus - das ist alles! Dabei nehmen sie diese Art als Typusart für die subsect. Mulsicolores...

Ich hatte teils richtig Probleme, die Auffassungen in Niskanen et al. (2018) nachzuvollziehen. Sie trennen zwischen blassen und gefräbten Arten, haben dann aber unter den gefärbten auch blasse und umgekehrt - der Sektionsschlüssel geht daher m.M.n. schlicht nicht, den sie vorstellen. Arten werden nicht geschlüsselt.

Der Epitypus von Hydnum repandum stammt aus Finnland, obwohl der Lektotypus aus dem Bayern stammt (Schaeffer 1800) bzw. Persoons Sanktionierung aus den Beneluxstaaten. Und das bei diesem Chaoskompolex um H. rufescens. Nun ja...

Im Gegensatz zur Studie von Feng et al. (2015) basiert alles nur auf der ITS. Ich habe den Eindruck, dass Neubeschreibungen jetzt immer schneller und oberflächlicher erfolgen, sobald die ITS auch nur sonstwie kleine Unterschiede zeigt. Die Aufsplittung bei Hydnum mag ja berechtigt sein (großteils?), aber man sollte m.M.n. erst dann die Arten definieren, wenn deren Merkmale hinreichend bekannt sind.

Langer Rede kurzer Sinn: der Schlüssel ist ein Versuch und die Auftrennungen durch geringfügige Untgerschiede in der Sporenform und den Sporenmaßen ist kritisch zu hinterfragen (in dem Kollektionen, die nicht aufgehen, ev. sequenziert werden und so zugeordnet werden).

Ich hänge den Schlüssel wieder als Word-Dokument an und kopiere diesen hier auch als Text ins Forum (aber das Layout ist dann nicht schön, man kann aber drüberlesen).

Rückmeldungen am besten im [urlhttp://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1754.0.html]Hydnum-Thread[/url], damit der Schlüssel besser auffindbar bleibt und nicht in einem langen Threads untergeht  ;)

Liebe Grüße,
Christoph

Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa von C. Hahn, Stand vom 31.05.2018

1. Sporen im Mittel nur bis 6,1 µm lang (Lm = 4,9-6,1); Basidien auffallend schmal, nur bis 6,5 µm breit; Hut jung rein weiß .............................................................................................. Hydnum albidum
1* Sporenlängen im Durchschnitt über 7 µm; Basidien deutlich breiter, 7,5-12 µm breit; Hut jung weißlich oder ockerlich gefärbt ... 2

2(1) Fruchtkörper relativ blass, jung weiß, creme, semmelfalb, falls mit Orangetönen, dann Fruchtkörper insgesamt dennoch recht hell, blass  ………………………………….…………………..………………….. 3
2* Fruchtkörper schon jung deutlich ockerfarben bis orangebraun …………………………..…………………… 10

3(2) Qm > 1,25 ………………………………………………………………………………………………………………….……………… 4
3* Qm < 1,20(1,22) …………………………………………………………………………………………………………….…..…...….. 5

4(3) Hut mit Orangetönen; Sporen 7,5-8,5(-9) x (5,5-) 6-7 µm ………………………..……… Hydnum ibericum
4* Hut blass, ohne Orangetöne; Sporen etwas größer, (7-)8-9(9,5) x 6-7,5(-8) µm ……………………………… …………………………………………………………………………………………………………..…………….… Hydnum vesterholtii

5(3) Qm = 1,15-1,20; Sporen subglobos bis erkennbar ellipsoid (im Präparat mit einzelnen, deutlicher ellipsoiden Sporen) ……………………..…………………………….…………………………………………………….………………. 6
5* Qm = 1,07-1,13; Sporen subglobos, keine ellipsoiden Sporen auftretend ………………………………….… 9

6(5) Stacheln nicht herablaufend; Qm = 1,19-1,21 …………………………………………………………………….…….. 7
6* Stacheln herablaufend; Qm = 1,15 ……………………………………………………………………………………..………. 8

7(6) Fruchtkörper blass ocker bis blass orangeockerlich; Sporen 7,0-8,5 x 6,0-7,5 µm, Qm = 1,21 .……… …………………………………………………………….…………………………………………………. Hydnum subovoideisporum
Bem.: Trotz recht guter Unterscheidungsmerkmalen zu Hydnum ovoideisporum ist letztere Art zumindest nach der ITS paraphyletisch zu Hydnum ovoideisporum. Da hier nur die IST untersucht wurde und sich die beiden Taxa doch deutlich unterascheiden, wird hier der Auftrennung dieser zwei Arten gefolgt.
7* Fruchtkörper orangeocker; Sporen etwas kleiner und v.a. schmaler, 7,0-8,0 x 5,0-7,0 µm, Qm dennoch ähnlich wie bei vorhergehender Art – Qm = 1,19 ……………………………..…. Hydnum slovenicum

8(6) Fruchtkörper auffallend blass ……………………………………………………………… Hydnum boreorepandum
8* Fruchtkörper blass bis deutlich semmelfarben ………………………………………. Hydnum repandum s.str.
Bem.: Bei blassen Fruchtkörpern sind die beiden Taxa nur per ITS-Sequenz unterscheidbar, wobei diesbezüglich Hydnum repandum s.str. paraphyletisch gegenüber Hydnum boreorepandum ist; so lange keine weiteren Loci die Abtrennung unterstützen oder keine klaren morphologisch-anatomischen Unterschiede gefunden werden, erscheint es m.E. nicht sinnvoll, diese zwei „Arten“ trennen zu wollen.

9(5) Stacheln herablaufend; Sporen 7,25-8,0 x 6,5-7,5 µm; Fruchtkörper sehr blass bis matt blass orangeockerlich ………………………………………………………….………………………………………..……… Hydnum jussii
9* Stacheln nicht herablaufend; Sporen minimal größer, 7,0-8,5(-9) x (6,5-)6,75-8,0(-8,5) µm; Fruchtkörper matt cremeocker bis ockerrosalich …………………………………….. Hydnum magnorufescens

10(2) Sporen für die Gattung auffallend ellipsoid; Qm > 1,55; Lm > 9,8 µm...... Hydnum ellipsosporum
10* Sporen rund bis breit ellipsoid; Qm < 1,4; Lm < 9,5 µm …............................................................. 11

11(10) Qm > 1,19; Hut nicht oder nur undeutlich zentral vertieft ……………….………………………………….. 12
11* Qm < 1,13; Hut bei den meisten Arten zentral vertieft ………………...…..…………………………………….. 13

12(11) Hut auffallend uneben, dunkel rötlich orange bis braunorange; Sporen 7,0-9,0 x 6,0-7,5 µm ….. ……………………………………………………………………………………………………..……………… Hydnum rufescens s.str.
12 Hut glatt, eben, kräftig gelborange bis orange; Sporen größer, (7,5-)8,0-10,0(-10,5) x 6-7,5 µm …….
……………………………………………………………………………………………………..……………… Hydnum ovoideisporum

13(12) Hutunterseite glatt, ohne Stacheln; Sporen globos bis subglobos, Qm = 1,06 ………………………… ……………………………………………………………………………………….. Hydnum ovoideisporum fm. depauperata
13* Hutunterseite mit stacheligem Hymenophor …………………………………………………………………………... 14

14(13) Hut intensiv gelborange gefärbt; Sporen relativ klein, im Schnitt 7,5 x 6,6 µm …………………………
………………………………………………………………………………………………………………………….… Hydnum mulsicolor
14* Hut nicht so freudig gefärbt; Sporen etwas bis deutlich größer …………………………………………..…… 15

15(14) Hut ohne zentrale Depression (nur im Alter ab und an mit leichter Vertiefung); Sporen 7,0-8,5 x 6,5-7,75 µm, im Schnitt 7,9 x 7,2 µm ………………………………………………….……………. Hydnum melitosarx
15* Hut mit auffallender zentraler Depression, genabelt ……………………………………………………………… 16

16 Sporen sehr groß, im Schnitt 9,5 x 9,0 µm; bislang nur im westlichen Nordamerika nachgewiesen ..
……………………………………………………………….……. Hydnum oregonense (= Hydnum umbilicatum ss. auct)
16* Sporen kleiner, im Schnitt um 8,4-8,9 x 8,0-8,1 µm …………………..…………. Hydnum umbilicatum s.l.
Bem.: Hydnum ellipsosporum p.p.  ss. GREBENC et al. (2009), Feng et. al. (2015) und Hydnum aff. ellipsosporum ss. OLARIAGA et al. (2012), VIZZINI et al. (2013) sind in dieser Interpretation enthalten. Während Hydnum umbilicatum im Sinne der oben genannten Quellen sich genetisch als eigenständige, großsporige, rein westlich nordamerikanische Art herausstellt (NISKANEN et al. 2018), soll Hydnum umbilicatum s.str. nur im östlichen Nordamerika vorkommen, während die morphologisch-anatomisch nicht unterscheidbaren europäischen NISKANEN et al. (2018) als Hydnum cf. umbilicatum bezeichnen. Es wurde allerdings nur die IST untersucht und die Unterscheidung zwischen den nordamerikanischen und den europäischen Kollektionen ist dem Stammbaum bei NISKANEN et al. (2018) nicht zu entnehmen.

Literatur:

FRIEBES G (2013): Zum derzeitigen Kenntnisstand der Stoppelpilze (Hydnum) in Europa. Der Tintling 5(2013): 53-57.

GREBENC T, MARTÍN MP, KRAIGHER H (2009): Ribosomal ITS diversity among the European species of the genus Hydnum (Hydnaceae). Anales Jard. Bot. Madrid 66(1): 121-132.

HUHTINEN  S,  RUOTSALAINEN  J.  (2006):  Variability of  Hydnum  rufescens  in  Finland: three taxa hidden under one name – and appearance? Karstenia 46: 17–24.

JEPPSON M (2010): Hydnum umbilicatum – en taggsvamp att leta efter. Svensk Mykologisk Tidskrift 31 (2): 30–34.

FENG B, WANG X-H, RATKOWSKY D,GATES G, LEE SS, GREBENC T, YANG ZL (2015): Multilocus phylogenetic analyses reveal unexpected abundant diversity and significant disjunct distribution pattern of the Hedgehog Mushrooms (Hydnum L.).  Scientific Reports 6: 25586 DOI: 10.1038/srep25586

HALL D, STUNTZ DE (1971): Pileate Hydnaeceae of the Puget Sound Area. I. White-spored genera: Auriscalpium, Hericium, Dentinum and Phellodon. Mycologia 63(6): 1099-1128.

NISKANEN T, LIIMATAINEN K, NUYTINCK J, KIRK P, OLARIAGA II, GARIBAY-ORIJEL R, NORVELL L, HUHTINEN S, KYTÖVUORI I, RUOTSALAINEN J, NIEMELÄ T, AMMIRATI JF, TEDERSOO L (2018): Identifying and naming the currently known diversity of the genus Hydnum with an emphasis on European and North American taxa, Mycologia, DOI: 10.1080/00275514.2018.1477004

OLARIAGA I, GREBENC T, SALCEDO I, MARTIN MP (2002): Two new species of Hydnum with ovoid basidiospores: H. ovoideisporum and H. vesterholtii. Mycologia 104(6): 1443-1455.

OSTROW H, BEENKEN L (2004): Hydnum ellipsosporum spec. nov. (Basidiomycetes, Cantharellales) – ein Doppelgänger von Hydnum rufescens Fr. Z. Mykol. 70(2): 137-156.

 VIZZINI A, PICILLO B, ERCOLE E , VOYRON S, CONTU M (2013):  Detecting the variability of Hydnum ovoideisporum (Agaricomycetes, Cantharellales) on the basis of Italian collections, and H. magnorufescens sp. nov. Mycosphere 4(1), 32–44, Doi 10.5943 /mycosphere/4/1/2

Christoph:
Servus beinand,

da die Karstenia ja jetzt online verfügbar ist, kann man auch den Artikel
Huhtinen  S,  Ruotsalainen  J.  (2006):  Variability of  Hydnum  rufescens  in  Finland: three taxa hidden under one name – and appearance? Karstenia 46: 17–24.
online abrufen. Lohnt sich!

Liebe Grüße,
Christoph

Christoph:

--- Zitat von: Gernot am 11. Januar 2018, 22:35 ---Übrigens hab ich jetzt zwei Aufsammlungen von H. umbilicatum (vermutlich) an Irmgard Greilhuber zum Sequenzieren geschickt. Bin schon gespannt, was dabei herauskommt!
--- Ende Zitat ---

Servus Gernot,

da bin ich auch sehr gespannt. Und egal ob wirklich als H. umbilicatum s.str. bestätigt wird oder die Sequenz das, was Olariaga et al. (2012) als H. aff. ellipsosporum bezeichnen, ist - beide Ergebnisse wären sehr interessant.

Danke für den Sporenvergleich! Es ist fast unglaublich, dass solche großen Unterschiede so lange unbemerkt blieben.

Liebe Grüße,
Christoph

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