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Autor Thema: Ominöser Dachpilz mit Honiggeruch - Pluteus cervinus agg.  (Gelesen 61 mal)

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Offline Christoph

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Ominöser Dachpilz mit Honiggeruch - Pluteus cervinus agg.
« Antwort #1 am: 20. November 2017, 18:13 »
Servus beinand,

der Winter naht - Zeit, Aufsammlungen von heuer nachzubearbeiten. Ich habe hier einen Dachpilz, der mir Kopfzerbrechen bereitet.

Gefunden habe ich den Dachpilz in Österreich, genauer in Kärnten, nahe Knappenberg, auf ca. 1100 m Höhe in einem Gebirgsnadelwald mit alten Lärchenstümpfen, aber auch Kiefer und Fichte. Ich vermute, das Holz dieses Stumpfes war vermutlich eine alte Fichte:






Die Sporen sind mit 5,75-6,75 x 4,25-5,5 µm (auf Viertel-µm gerundet) recht klein.

Die Pleurocystiden zeigen die typischen "Anker", sind also vom "cervinus-Typ". Und nun zu den Schnallen: man findet sie praktisch überall sofort, auch in der HDS. ich würde sagen, dass alle Zellen Schnallen besitzen.

Makroskopisch fällt mir der feinschülfrig aufreißende Hut ohne Brauntöne, dafür mit viel Grau auf und dann der Geruch: intensiv und stark nach Amanita phalloides "Kunsthoniggeruch".

Jetzt wurde ja mittlerweile dea ganze Aggregat rund um Pluteus cervinus umfangreich beackert. Insbesondere die Studie...

Justo et al. (2014): Molecular phylogeny and phylogeography of Holarctic
species of Pluteus  section Pluteus (Agaricales: Pluteaceae), with description of twelve new species. Phytotaxa 180 (1): 001–085


... erleichtert die Bestimmung in dieser schwierigen Gruppe. Oder auch nicht?! Jedenfalls werden hier 26 Arten ausgeschlüsselt und vorgestellt (für die Nordhalbkugel). Sogenannte amerikanische Arten können auch bei uns auftreten.

Nichtsdestotrotz lande ich bei allen Bestimmungsversuchen wegen des Vorkommens an Nadelholz, der relativ kleinen Sporen und dem grauen Hut nebst Schnallen bei Pluteus pouzarianus. Justo et al. (2014) erwähnen sogar Honiggeruch, der auftreten könne.

Dennoch:
Ich habe noch keinen Pluteus pouzarianus mit so viel Schnallen und einem so aufschürfelnden Hut gesehen. Und wann immer ich an ihm gerochen hatte, war meine Assoziation eher nasser Radi als süßer Honig. Dass das innerhalb einer Art auftreten kann - so eine Schwankungsbreite. Wären jetzt nicht die Schnallen im Weg, würde ich wohl nichts sagen.
Ich kenne es bei typischen Pl. pouzarianus allerdings so, dass man die Schnallen in der HDS wirklich suchen muss.

Hat von euch schonmal jemand so einen Dachpilz gesehen? Erfahrungsaustausch würde mich da sehr freuen.  :)

Ich werde ihn jedenfalls nochmal genauer analysieren und dann erstmal abspeichern als Pluteus cf. pouzarianus. Jedenfalls scheint es sich zu lohnen, öfters an Dachpilzen zu schnuppern.

Ach ja, gefunden hatte ich ihn im Rahmen der Seminarwoche der ARGE Österr. Pilzberater in Knappenberg. Auch Irmgard Krisai-Greilhuber und andere Österreichische Koryphäen konnten den Dachpilz nicht klar einordnen.

Spannend  :D

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)