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Autor Thema: Die Zeit der Pilz-Apps...  (Gelesen 280 mal)

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Offline Christoph

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Re: Die Zeit der Pilz-Apps...
« Antwort #3 am: 15. Oktober 2017, 15:14 »
Lieber Roland,

sorry für die lange Pause bis zur Antwort (war erst unterwegs, dann krank). Ich habe mit dem Bayerischen Rundfunk zusammen eine App getestet bzw. sie wurde von einem "Anfänger" getestet und ich habe die Bestimmungsversuche überprüft. Verwendet wurde die App "Meine Pilze", die bei einem Test der DGfM gut abgeschnitten hat: https://www.dgfm-ev.de/speise-und-giftpilze/sammeln-und-bestimmen?reattachment=bb2c0ecea669245e5c7760db4e4b54d4

Ich hatte den Anfänger auf Inocybe geophylla angesetzt, da ich neugierig war, wie die App auf einen weißhütigen Risspilz "reagiert". Natürlich hat der Anfänger keine Erfahrung in der Interpretation der Merkmale und war von der App überfordert. Vorher hatte er einen Waldchampignon, einen Holzritterling und einen Rauchblättrigen Schwefelkopf zu bestimmen versucht (und kam bei keinem auf ein passende Ergebnis), konnte aber dadurch schon recht gut und schnell die App an sich bedienen.
Jedenfalls hatte er bei dem Risspilz nichtsx eingegeben, was jetzt wirklich falsch wäre, wenn man den Pilz makroskopisch mit seinen Häkchen vergleicht.
Und was kam dann raus: Die App hat den Pilz als Behangenen Faserling bestimmt und gab zudem an, dass dieser Pilz gur für Pilzsuppen geeignet wäre. Gut, dass es nur ein Test war.
Ob der Beitrag ausgestrahlt wird, weiß ich nicht, da es sich um ein Drehprojekt im Rahmen der Ausbildung zum Regisseur, Kamerateamund Tontechnik handelte. Ich fand das Ergebnis aber interessant. Natürlich ist es nur ein Einzelfall, aber die App lag wirklich weit daneben. Anfänger, die technikgläubig sind, hätte es so erwischen können.

Zur Frage nach 123Pilze... Die Bilder sind vermutlich genauso gut oder schlecht bestimmt, wie generell Pilzbilder, die man per Suchmaschine zusammenstellt/sucht. Die Betreiber der Seite sind ja genauso darauf angewiesen, dass die Fotografen, die die Bilder dort zeigen lassen, diese richtig bestimmt haben.
Die 123-App habe ich wiederum noch nicht in der Hand gehabt oder getestet, aber ich bin (natürlich) auch da sehr skeptisch.

Generell sollten alle zukünftigen Speisepilzsammler, die neue Arten über irgendwelche Medien kennenlernen (und essen wollen), also über Bücher, Pilzforen, Internetseiten, Apps, Videos oder was auch immer, bedenken, dass sie eine solche Art nicht kennen können. Sie lernen sie ja erst kennen. Wenn ich eine mit vorher unbekannte Art z.B. per Buch bestimme, kann ich mich ja irren. Also esse ich sie nicht. Man braucht einfach die Rückmeldung eines Experten, der einem direkt und live anhand des Pilzes die Bestimmung bestätigt. Die mündliche Trahierung bleibt daher m.E. definitiv entscheidend - also der Gang zu einem Pilzberater oder der Besuch eines Pilzkurses bei einem Fachmann / einer Fachfrau. Das betrifft Apps genauso wie Forenbestimmungen (im kulirnarischen Sinn). Dann gäbe es auch weniger Vergiftungen...

LG
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Roland

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Re: Die Zeit der Pilz-Apps...
« Antwort #2 am: 25. September 2017, 15:33 »
Hallo zusammen,
habe (natürlich) auch dieses App auf meinem Smartphone, und nicht wirklich begeistert was die Bestimmungsversuche anbelangt. Meistens kann man sich dann mit den Bildern "retten" und genau lesen.
Kurzum man landet dann erst wieder in dem gedruckten Buch (auch ein Handy).
Mich würde da mal interessieren, von welcher Aussagekraft die 123-Bilder sind; stimmen die alle?

Offline Christoph

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Die Zeit der Pilz-Apps...
« Antwort #1 am: 11. September 2017, 13:11 »
Servus beinand,

bei meiner letzten Wanderung für den Verein für Pilzkunde München gab es für mich eine Premiere: Ein Teilnehmer mit Pad, einem kleinen Minicomputer. Sobald ein Name genannt wurde, konnte er diekt nachgooglen (und landete bei 123, da die sich offenbar bei google eingekauft haben(?)).
Ob er auch eine App verwendet, weiß ich nicht. Aber im Nachhinein hätte ich doch explizit fragen sollen.

Kurz danach kam im bayerischen Rundfunk (BR 5) eine Meldung vom Giftnotruf München, dass es heuer zu so vielen Vergiftungen wie lange nicht mehr kam. Als Begründung wurde dort u.a. die Verwendung von Pilz-Apps gebracht.
Mit fällt zudem in einem aneren großen Forum auf, dass immer mehr Einsteiger Fotos ihres Sammelguts einstellen, um eine Internetpilzberatung zu bekommen. Auf Warnungen reagieren sie oft eingeschnappt.

Mein Gefühl: Die Tendenz geht in Richtung "statt müsahm Arten kennenzulernen reicht es ja, die App zu fragen und drt essbar oder gifitg zu lesen". Oder das über Pilzforen zu erreichen. Manchmal wird auch erst gegessen und dann gefragt, was das war... Von entprechenden Aktionen in Facebook-Gruppen habe ich entsprechende gehört, kenne das aber nicht live aus eigener Hand.

Meine Meinung zu den Apps allgemein:
Für Fortgeschrittene mag es durhaus eine hilfreiche Gedächntnisstütze oer Bestimmungshilfe sein. Da ist aber irgendwie doch das Mitnehmen eines passenden Buchs wie dem Parey oder Courtecuisse & Duhem einfacher und schneller?!
Für Anfänger, die Pize auch essen wollen, ist es aber gefährlich. Und Apps, bei denen ein Foto reichen soll und anhand dessen ein Name ausgespuckt wird, finde ich gemeingefährlich.

Ich bin gespannt, wann ich die erste "App-induzierte" Vergiftung betreuen werde  :o

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: durch den Kurs in Zwiesel-Rabenstein haben wir jetzt drei weitere Pilzberater der DGfM - besser und sicherer als eine App. Es müssten nur noch viel viel mehr werden...
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