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Autor Thema: Hygrocybe conica/nigrescens  (Gelesen 272 mal)

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Offline Christoph

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Re: Hygrocybe conica/nigrescens
« Antwort #3 am: 15. August 2017, 02:24 »
Servus beinand,

ich möchte Schorschs Anmerkungen nur noch ergänzen (er hat schließlich recht)  ;)

Man hat früher gedacht, dass zweisporige und viersporige Schwärzende Saftlinge zu unterschiedlichen Arten gehören. Die zweisporigen haben größere Sporen (doppeltes Volumen als bei viersporigen) und ihnen fehlen die Schnallen. Inzwischen weiß man, dass es sich dabei nur um asexuelle Fruchtkörper aus Einkernmyzelien handelt. Mangels zweiten Zellkerns fallen Schnallen und Meiose aus, dennoch werden Basidien gebildet (bräuchte es nicht, die Sporen sind ja nur Klonsporen).

Das selbe Phänomen kennt man mittlerweile von Hygrocybe acutoconica und auch vom Zuchtegerling (da gibt es auch viersporige, sexuelle Stadien).

Interessanterweise unterscheiden sich die sexuellen und asexuellen Fruchtkörper auch etwas makroskopisch (Größe, Farbgebung).

Das ganze Hygrocybe-conica-Aggregat ist dennoch dringend revisionswürdig. Denn unabhängig von dem Problem sexuell/asexuell gibt es möglicherweise versteckte Arten. Hygrocybe conicoides wäre ein Beispiel - längere, schlanke Sporen und (immer?) rote Lamellen, Vorkommen auf Sand, schwärzt weniger stark. Hygrocybe tristis wird manchmal auch als eigene Art gehandelt (olivgrüngelblich, im Gebirge häufig).
Die Sporenmaße und Sporenformen variieren aber sehr stark innerhalb der Gruppe. Kurz gesagt: auf Aggregatsebene leicht bestimmbar (Hygrocybe conica agg.), dann wird's schwierig.

Das Schwärzen auf dem Dörrex ist übrigens durch Lufttrocknen nicht zu umgehen. Sie schwärzen auch, wenn sie nicht getrocknet werden - dann dauert es aber einige Tage. Durch das Trocknen verläuft der Prozess nur schneller.

Deine Schwammerl sind übrigens typische Hygrocybe conica, also ganz klassische Schwärzende Saftlinge (gut, dass man bei einem Bild die hellen, nicht roten Lamellen sieht).

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Schorsch

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Re: Hygrocybe conica/nigrescens
« Antwort #2 am: 13. August 2017, 19:14 »
Liebe J.,
laut Funga Nordica Band 1, S. 267 sind beide so gut wie synonym. Ich zitiere:
"Note: a very variable taxon und several infraspecific taxa have been described, some of the better defined inlude:
var. pseudoconica J.E. Lange (H. nigrescens (Quel.) Kuehner s.auct.) is large and robust with a coarsely fibrillose stem."
oder 123Pilze:
"Schwärzender Saftling (HYGROCYBE NIGRESCENS): Großer Habitus, faseriger, nicht glattem stumpfkegeligen Hut.
Kegeliger Saftling (HYGROCYBE CONICA): Meist mehr orange-rot mit glatten, glänzenden, spitzkegeligen Hut."
Isarschwammerl
« Letzte Änderung: 14. August 2017, 09:14 von Schorsch »
Gfrei di, dass regnt, wei wenns di net gfreist, regnts aa. (nach Karl Valentin)

Offline dipfelripfel

  • Beiträge: 17
Hygrocybe conica/nigrescens
« Antwort #1 am: 13. August 2017, 17:02 »
Hallo zusammen,
schon im letzten Jahr wuchsen auf der Wiese vor meiner Haustür einige Hygrocyben. Nun sind sie wieder da...und das über die gesamte Wiese sehr zahlreich. Erst war ich ganz außer mir, weil ich 2-3 verschiedene Arten gemeint habe, zu sehen. Es stellt sich aber heraus, dass es sich bei den einen um Inocyben gehandelt hat. Bei den anderen komme ich auf conica oder nigrescens oder beides.
Auf jeden Fall ist das Farbspektrum recht weit: von gelb bis fast rot. Alle sind aber mehr oder weniger radialfaserig und schwärzen bei Berührung oder sind bereits schwarz angefärbt.

Bei der Frage, ob es sich um conica oder nigrescens handelt, komme ich makroskopisch nicht weiter. Gibt es hier überhaupt eine Unterscheidungsmöglichkeit? Oder fasst man die beiden Arten ohnehin wieder unter eine Art?

Außerdem wollte ich mir einige Exemplare trocknen (vielleicht gehe ich ja mal unter die Mikroskopierer). Unter dem Dörrgerät sind jedoch alle schwarz geworden. Würde mir das auch passieren, wenn ich die Exemplare "lufttrockne"?

Grüße
dipfelripfel