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Autor Thema: Kartierungsprojekt Rothschwaig - Pilze eines Magerrasens / einer Kiesgrube  (Gelesen 873 mal)

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Offline Peter P.

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Hallo Christoph,
sieht wirklich stark aus dieser Flecken. In der Regel finden etliche Gruppen kaum Berücksichtigung und wenn du etwas nicht zu frische Losung einsammelst (außer Mensch, Hund und Katz', Fischreiher) und nach Zeitlarn mitbringst, könnten da ein paar wenig bekannte aber sehr interessante Arten dazukommen. Übrigens gibt es auf Clematis auch wunderschöne Ascos, und auf Nadeln, Blättern, Grashalmen....
LG Peter.
Freiheit ist, das sagen zu dürfen, was andere nicht hören wollen.
Anonymus

Offline blacky

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Sehr schöne Bilder. Es ist immer wieder beeindruckend, was sich auf solchen Flächen alles entwickelt. U.a. die schönen Pflanzen und Insekten. Man kann schon aus diesen Bildern sehen, wie alles ineinander greift. Diese heute so seltene Vielfalt macht einfach Freude. Danke fürs Mitnehmen.
LG.
Thomas
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Offline Hias

  • Beiträge: 95
Servus Christoph,

schaut interessant aus, diese Fläche, und ist ja auch recht leicht zu erreichen.
Da können wir ja mal eine Exkursion organisieren, wenn's ein bissl feuchter ist.

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Da man nur 10 Bilder pro Beitrag hochladen kann, hier die weiteren (die ich dann in den Erstbeitrag einbaue)

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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Hallo zusammen,

der LBV Fürstenfeldbruck hat bei mir um die Ecke eine Kiesgrube und umliegende Flächen aufgekauft, um einerseits die Grube zu erhalten - dort laicht u.a. die Wechselkröte - und um andererseits die ehemalige Maerrasenvegetation neu aufzubauen. Vor 10 Jahren wurde der Oberboden abgetragen, Kies aufgeschüttzet und dann von nahegelegenen Trockenrasen Mähgut aufgebracht.
Das ist nun genau 10 Jahre her (im Juni 2007 begannen die Naturschutzarbeiten mit Bagger und Forstmaschine).

Hier findet man eine genaue Beschreibung des Historie der Trockenrasen in Rothschwaig: http://www.lbv-ffb.de/index.php/biotopschutz/halbtrockenrasen/522-hintergruende.html

Ich komme fast täglich auf meinem Weg von der Arbeit nach Hause quasi an der Fläche vorbei. Ich habe dem LBV FFB angeboten, dass ich diese (und eine weitere Fläche, über die ich einen eigenen Thread starten werde - eine Niedermoorfläche, die ich noch nicht besucht habe) bezüglich der Pilze ehrenamtlich kartieren würde, wenn Interesse bestehen sollte.

Interesse betseht natürlich von Seiten des LBV, denn mykologisch wurde dort noch nichts erhoben (leider auch kein Stand von vor der Renaturierung). Ich bekam problemlos und zügig von der Forstbehörde die Fahrgenehmigung (die Zufahrt ist gesperrt) und habe nach zwei Ultrakurzbesuchen zum ersten Ansehen heute (inzwischen gestern) die Fläche ausführlich besucht und Fotos gemacht.

Pilze gab es natürlich fast keine, aber ein bisserl was geht immer.

Hier erstmal Fotos der Fläche an sich.





Man sieht deutlich die Kiesgrube. Die Magerrasen neben der Grube liegen zum Glück etwas erhöht über dem Niveau der Wirtschaftswiesen der Lichtung Rothschwaig (jetzt auch braun wegen der Dürre, sonst eher saftig grün).







Hier ist der Tümpel, in dem die Wechselkröte laicht - und siehe da, er ist völlig ausgetrocknet. Wer hätte das gedacht?



Und nun die Pilze...

Ohne Foto: Microstroma album - im Gebiet häufig an der Blattunterseite lebender Eichenblätter (Quercus robur).

Erisyphe alphitoides - an jungen Stieleichen, die Blätter weiß überziehend, noch ohne Kleistothecien (wenn vorhanden, mache ich einen Beleg und mikroskopiere hinein).



Natürlich findet man dort, wo Ahorn steht, auch den Runzelschorf:

Rhytisma acerinum an Blättern von Acer pseudoplatanus (Bergahorn) - noch im Jungstadium



Schließlich fand ich an Euonymus europaeus (Pfaffenhütchen) eine Peniophora. Es war eigentlich klar, dass sie steril ist, aber irgendwas muss man ja mitnehmen. Und siehe da - steril. Es dürfte nur die omniphage Peniophora cinerea sein, aber ich werde in einer günstigeren Witterungsperiode nochmal was mitnehmen.



Auch Xanthoria perietina ist ein Pilz, ein lichenisierter. Jetzt kenne ich mich mit Flechten nicht wirklich aus, die Gattung Xanthoria ist aber leicht kenntlich. Und die Artbestimmung auch halbwegs einfach. Ich habe mich hier an Lindblom et al. (2005): Xanthoria aureola in Norway and a key to the species of Xanthoria s. str. in Scandinavia. Graphis Scripta 17: 12–16. gehalten und kam bei Xanbthoria parietina raus. Hier an Crataegus. Physcia war auch überall, aber da habe ich jetzt noch nicht die Art zu bestimmen versucht. Flechtenprasiten an Xanthoria oder Physcia habe ich noch keine gesehen (kann ja noch werden).



Neben Pilzen gibt es eine Menge an Pflanzen - klar, aber ich will erst ein paar Tiere zeigen. Allen voran die Blauflügelige Ödlandschrecke, Oedipoda caerulescens.



Wenn sie flieht, zeigt sie ihre schönen, blauen Flügel. Die Blauflügelige Sandschrecke ist ähnlich, aber ihr fehlen u.a. die schwarzen Streifen auf den Hinterbeinen. Oedipoda caerulescens kann bräunlich bis grau gefärbt sein, hier ist sie grau.

Die obligatorische Streifenwanze, Graphosoma lineatum, darf auch nicht fehlen. Hier sitzt sie auf wildem Pastinak.



Und hier zwei Fliegen, die sich ausgiebig an einer Skabiosen-Flockenblume laben.



Pflanzen gibt es wie gesagt reichlich - schön ist, dass sich der Kreuzenzian, Gentiana cruciata, angesiedelt hat - er fängt gerade an zu blühen.



Die Karthäusernelke ist jetzt schon fast durch. Das leuchtende Tiefrot der Blüten speichert meine Digitalkamera leider nicht richtig ab. Ich habe versucht, etwas nachzubearbeiten.



Und hier sieht man eine alte Clematis - da werde ich beizeiten nach Cortis suchen - es gibt ja eigene Arten an Clematis.



Ansonsten habe ich pilzlich noch eine Hyphodontia (cmakroskopisch "geraten") gesehen, die ich vor Ort ließ - da warte ich ab, bis es wieder feucht ist und sie Sporen bildet.

Ich fange das Projekt in aller Ruhe an und nehme mit, was ich finden kann bzw. was ich auch bearbeiten kann. Die Phytoparasiten wären sicher ein ganz eigenes Thema. Oder Nabelinge, Rötlinge, Risspilze, die ich dort erwarte. Ganz zu schweigen von den diversen Ascomyzeten, die an Stengeln, Blättern der diversen Pflanzen dort erscheinen dürften.

So habe ich diese dunklen "Dinger" mitgenommen, die auf dem Boden des ausgetrockneten Tümpels erschienen. Zum Grüßenvergleich - das Blatt rechts oben ist ein Eichenblatt.



Pilzliches ist enthalten, aber auch einzellige Grünalgen, sodass es eine Flechte sein dürfte - sie wird es wohl aushalten müssen, wenn sie wieder unter Wasser steht. Auf alle Fälle war das Objekt steril.

Und viele "Pyrenomyzeten" - ich habe eine cf. Diatrype an Crataegus (cf.) gesehen, aber auch vor Ort gelassen, da jetzt das meiste einfach unreif ist.

Für Expertenhilfe wäre ich dankbar (falls mal jemand mitgehen will - z.B. Ascomyzeten-Kenner usw.). Jedenfalls werde ich hier immer wieder mal Updates geben.

Soweit erstmal - liebe Grüße in die Runde,
Christoph

« Letzte Änderung: 23. Juli 2017, 02:18 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)