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Autor Thema: Kartierungsprojekt Rothschwaig - Pilze eines Magerrasens / einer Kiesgrube  (Gelesen 316 mal)

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Offline Christoph

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Und noch ein Update - ein für solche Habitate typischer Risspilz: Inocybe dulcamara. Er gehört zur Untergattung Mallocybe (die meines Erachtens Gattungsrang verdient - bzw. aufgrund der Ergebnisse, die Ludwig Beenken in siner Diplomarbeit über die Mykorrhizen der Gattung Inocybe herausgefunden hat).







Makroskopisch sehen sich da mehrere Arten doch recht ähnlich und mikroskopisch sind sie etwas unspektakulär. Sporenmaße, Cystidenform und Makroskopie passen hier aber sehr gut auf die wohl häufigste Art dieser Untergattung.

LG
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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So und nun zwei Fotos als Update...

Ich habe rein gelbe Saftlinge mitgenommen, die ich makroskopisch als Hygrocybe acutoconica s.l. angesprochen habe:



Interessanterweise waren die rein zitonengelben zweisporig (natürlich schnallenlos) - die Sporen sind länger als bei der viersporigen Variante, genau so, wie von Boertmann beschrieben. Die Sporen sind ca. 11,5-14,5 x 5,75-6,5(-8,5) µm groß. Manche Sporen sind so breit, dass man fast an Hygrocybe acutoconica var. konradii denken könnte, aber dafür sind es zu wenige. So bleibt es bei Hygrcoybe acutoconica var. acutoconica als zweisporige Ausprägung (asexuelle Fruchtkörper).

Hier noch ein aktuelles Foto der kleinen Nabelinge, die mehrere Quadratmeter überziehen (vergleiche http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1560.0.html):




Wieder ist ein gewisser Rotton in den Fruchtkörpern zu erkennen. Die Sporen waren wieder zu breit für Omphalina pyxidata s.str., sodass ich bei Omphalina cf. rivulicola bleibe, bis ich Sequenzdaten habe.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 12. August 2017, 16:20 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus Gernot,

freut mich, dass dir der Thread gefällt.  :)
Ich werde natürlich sehr gerne weiter mit Updates interessante Arten vorstellen, die ich gefunden habe. Ja, Inocybe fuscomarginata erhoffe ich auch - in der Fröttmaninger Heide (nördlich von München, nahe der Allianz-Arena) wachsen auch die von dir genannten Arten beisammen (ebenfalls Kalkschptterböden, ehemaliger Truppenübungsplatz).
Ich habe einen kleinen Risspilz gefunden (jetzt schon zweimal), den ich nach einem Bestimmungsversuch an Ditte geschickt habe. Scheint was neues zu sein (sie hat bisher nur eine entsprechende Aufsammlung aus einem sehr ähnlichen Habitat), weshalb ich davon keine Bilder zeige (sind für die mögliche Publikation).

Hygrocybe acutoconica bildet jetzt einen regelmäßigen Aspekt aus (steht "überalle"). Ich zeige später weitere Fotos. Witzigerweise waren die gelben zweisporig und die orange gefärbten viersporig.

LG
Christoph
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Offline Gernot

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Servus, Christoph,

deine Berichte über die Rothschwaig-Funde finde ich sehr interessant und hoffe, dass du den Fred auch weiterhin mit so schönen Beiträgen füttern wirst.  :)

Zum gemeinsamen Vorkommen von H. calciphila und E. excentricum kann ich vielleicht noch berichten, dass ich diese beiden Arten aus einem Naturschutzgebiet beim Hochschwab ebenfalls vergesellschaftet kenne. An den dortigen Kalkschuttflächen ist H. calciphila z. T. ein richtiger Massenpilz. Entoloma excentricum wächst nicht ganz so zahlreich aber doch regelmäßig bei Pinus sylvestris und Dryas. Weitere Massenpilze auf diesen schottrigen, wenig bewachsenen Flächen sind Inocybe fuscomarginata und Thelephora caryophyllea – vielleicht kommen dir die ja auch noch unter. Hygrocybe acutoconica hab ich bei den Fundstellen von H. calciphila und E. excentricum übrigens auch schon gefunden.

Hier noch ein Foto vom letzten Jahr:



Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Gestern war ich wieder (aber nur kurz) unterwegs und habe zuerst zwei Eizelfruchtkörper kleiner Leptonien gesehen (mikroskopiert man, hat man keinen Beleg mehr), sie also stehen gelassen, um dann durch rote Farbtupfer belohnt zu werden:

Hygrocybe calciphila - an genau der Stelle, an der letzte Woche Hygrocybe acutoconica wuchs (bzw. ein alter Fruchtkörper davon war noch vorhanden).







Auf einem der Trockenrasen außerhalb der Kiesgrube fand ich dann noch einen Rötling, der auf den ersten Blick wie ein Fälbling daherkam. Der brüchige und immer exzentrische Stiel und die alt rosa Lamellen zeigten dann klar Entoloma an. Im Gelände waren die Lamellenschneiden noch nicht oder kaum braun, eine Stunde nach dem Sammeln aber dann doch.
Durch die großen, geschnäbelten Cheilocystiden, die zwar bereits kollabierenden, aber noch erkennbaren Caulocystiden neben weiteren Mikromerkmalen, war die von Hias Dindl bereits vorgenommene Feldbestimmung als Entoloma excentricum s.str. dann bestätigt.







Die von Senn-Irlet & Woltsche (2002) - http://www.zobodat.at/pdf/OestZPilz_11_0029-0033.pdf -  festgestellten Pleurocystiden habe ich nicht finden können. Da aber auch die Caulocystiden bereits am Kollabieren waren, kann natürlich sein, dass sie (trotz Frischmaterials) ihren Turgor verloren haben. Die Schwammerl mussten auch erst im Kühlschrank übernachten, bevor ich sie mikroskopiert habe. Offenbar muss man Entoloma excentricum direkt und sofort unters Mikroskop legen.

Beide hier vorgestellte Arten passen perfekt zum Standort: Kalkschotter, Magerrasen, Trockenrasen.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 8. August 2017, 17:31 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus beinand,

jetzt habe ich ganz frische Fruchtkörper von Hygrocybe acutoconica s.str. finden können - es ist zwar an einer anderen Stelle als die beiden Hitzeopfer, die ich bereits gezeigt habe, aber es ist das gleiche Biotop.



Die Bilder sehen sehr ähnlich dem, was Heilmann-Clausen et al. in ihrer Lactarius-Bearbeitung gezeigt haben.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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So, jetzt habe ich ein bisserl am Mikroskop verbracht.

Ich habe - wie schon zwischengemeldet - eine von "irgendwas" befallene Xanthoria parietina aufgesammelt, die an einem ansitzendem, aber abgestorbenen Ast einer solitätren Kirsche wuchs. Hier sieht man das Asterl in einer Großaufnahme.



Ich habe eigentlich Xanthoriicola physciae gesucht und dachte mir, dass die Apothecien der Xanthoria noch zu blass, nicht dunkel bis schwärzlich genug sind, aber aufgrund mancher dunkler Punkte auf den Apothecienscheiben das ganze dann doch aufgesammelt.

Xanthoriicola physciae
habe ich dann doch nicht gefunden, dafür einiges an Hyphen, diverse Sporen, einen nichtssagenden "Schimmel", den ich links liegen ließ, bis ich dann einmal vesehentlich an einem Apothecium vorbei gescnitten hatte und den Thallus traf. Und siehe da, ich fand kleine Gehäuse, Durchmesser maximal 80 µm, die an der Spitze schwarze Haare tragen. Das sieht in etwas so aus wie Pyrenochaeta xanthoriae, der aber ein Coelomyzet ist, also im Gegensatz zu meinem Fund keine Asci bildet, sondern nur asexuelle Mitosporen.
Die Asci sind bitunicat, wobei im Alter die innere Wandschicht verschwindet und sie dann unitunikat aussehen. Die Sporen sind im Mirksokop grausschwärzlich, dreifach septiert und liegen ungeordnet übereinander im Ascus.
Ich habe als Sporengröße (bei einer ersten Messung) folgendes herausbekommen: 10,5-12(-12,5) x 4-4,75 µm - die Originalbeschreibung gibt (9,5–)9,9–11,2(–11,5)×(4,0–)4,2–4,6(–5,0) μm an, also um einen Mikrometer kürzere Sporen, was die Maximalwerte betrifft. Das passt ganz gut.

Die typischen, kugelförmigen Perithecien mit der Sporenform und -farbe sowie die Asci (Form, Sporenanordnung, zwei Wandschichten) passen bestens auf die Beschreibung von Capronia suijae (siehe einen Beitrag weiter unten).

Ich habe, nachdem ich zunächst absolut nichts passendes in meiner Literatur zu Pilzen an und auf Xanthoria nichts fand, vor mich los recherchiert und dann diesen aktuellen Artikel aus dem Lichenologist ausgegraben. Und was sah ich? Mikrofotos, die bestens zu meinem Fund passen - und das bei der neu beschriebenen Art an Xanthoria - wunderbar!

Da ich keine Mikroskopkamera habe, habe ich die Mikromerkmale und ein Pereithecium gezeichnet - wird für eine Publikation vorbereitet, deshalb zeige ich jetzt nicht die Scans.

Ich fand dann noch einen kleinen Becherling an einem alten Pastinak-Stängel.



Leider noch nicht wirklich reif - ich sah keine reifen Asci, aber ein paar Sporen (falls sie dazugehören), die 1-1,5 µm breit waren und so um die 10-12 µm lang. Die inkrustierten Randhaare (farblos hyaliine Auflagerungen) und die Paraphysen passen ganz gut auf Trichopeziza mollissima. Da aber unreif, lasse ich es als cf. stehen. Wenn es feuchter wird, werde ich wohl mehr davon auf den Pastinaken des Vorjahrs finden.

Und siehe da, ich habe einen Saflting gefunden, den ich gestern übersehen habe. Die Fruchtkörper waren aber völlig hinüber und haben die Hitze nicht überstanden.





Der große Fruchtkörper lag genau so wie auf dem Foto kopfunter auf einem Stein (Stielbasis natürlich im Boden), der kleine Fruchtkörper hat mit seinem Hut gerade mal die Pflanzendecke durchdrungen, war aber auch schon kaputt.

Sporen gab's und Basidien und Tramahyphen der Lamelle - zusammen mit dem nicht schwärzenden Fruchtkörper und dem spitzen Hut kommt man leicht auf Hygrocybe acutoconica - hier in der 4-sporigen, schnallentragenden, also sexuellen Variante.

Dank des Fruchtkörpermangels habe ich auf die Xanthoria geachtet und damit einen Fund einer sehr neuen und nur von der Typuslokalität in Weißrussland bekannten Capronia suijae machen können. Ich schimpfe, glaube ich, nicht mehr über zu trocken-heißes Wetter  8)

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Servus beinand  :)

@Peter: ich bringe gerne Köttelproben mit zur Tagung.

Jetzt bin ich grad am Mikroskop und werde noch ein bisserl hier sitzen müssen. Ich habe nämlich heute in Rothschwaig auf einer Xanthoria die erst im Januar 2017 neu beschriebene Capronia suijae Tsurykau & Etayo gefunden. Das dürfte dann wohl ein Erstnachweis für Deutschland sein.

siehe Tsurykau A, Etayo J (2017): Capronia suijae (Herpotrichiellaceae, Eurotiomycetes), a new fungus on Xanthoria parietina from Belarus, with a key to the lichenicolous species growing on Xanthoria s. str. The Lichenologist 49(1): 1–12


Später mehr davon.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 23. Juli 2017, 22:58 von Christoph »
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Offline Peter P.

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Hallo Christoph,
sieht wirklich stark aus dieser Flecken. In der Regel finden etliche Gruppen kaum Berücksichtigung und wenn du etwas nicht zu frische Losung einsammelst (außer Mensch, Hund und Katz', Fischreiher) und nach Zeitlarn mitbringst, könnten da ein paar wenig bekannte aber sehr interessante Arten dazukommen. Übrigens gibt es auf Clematis auch wunderschöne Ascos, und auf Nadeln, Blättern, Grashalmen....
LG Peter.
Freiheit ist, das sagen zu dürfen, was andere nicht hören wollen.
Anonymus

Offline blacky

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  • Per aspera ad astra.
Sehr schöne Bilder. Es ist immer wieder beeindruckend, was sich auf solchen Flächen alles entwickelt. U.a. die schönen Pflanzen und Insekten. Man kann schon aus diesen Bildern sehen, wie alles ineinander greift. Diese heute so seltene Vielfalt macht einfach Freude. Danke fürs Mitnehmen.
LG.
Thomas
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Offline Hias

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Servus Christoph,

schaut interessant aus, diese Fläche, und ist ja auch recht leicht zu erreichen.
Da können wir ja mal eine Exkursion organisieren, wenn's ein bissl feuchter ist.

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Da man nur 10 Bilder pro Beitrag hochladen kann, hier die weiteren (die ich dann in den Erstbeitrag einbaue)

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Hallo zusammen,

der LBV Fürstenfeldbruck hat bei mir um die Ecke eine Kiesgrube und umliegende Flächen aufgekauft, um einerseits die Grube zu erhalten - dort laicht u.a. die Wechselkröte - und um andererseits die ehemalige Maerrasenvegetation neu aufzubauen. Vor 10 Jahren wurde der Oberboden abgetragen, Kies aufgeschüttzet und dann von nahegelegenen Trockenrasen Mähgut aufgebracht.
Das ist nun genau 10 Jahre her (im Juni 2007 begannen die Naturschutzarbeiten mit Bagger und Forstmaschine).

Hier findet man eine genaue Beschreibung des Historie der Trockenrasen in Rothschwaig: http://www.lbv-ffb.de/index.php/biotopschutz/halbtrockenrasen/522-hintergruende.html

Ich komme fast täglich auf meinem Weg von der Arbeit nach Hause quasi an der Fläche vorbei. Ich habe dem LBV FFB angeboten, dass ich diese (und eine weitere Fläche, über die ich einen eigenen Thread starten werde - eine Niedermoorfläche, die ich noch nicht besucht habe) bezüglich der Pilze ehrenamtlich kartieren würde, wenn Interesse bestehen sollte.

Interesse betseht natürlich von Seiten des LBV, denn mykologisch wurde dort noch nichts erhoben (leider auch kein Stand von vor der Renaturierung). Ich bekam problemlos und zügig von der Forstbehörde die Fahrgenehmigung (die Zufahrt ist gesperrt) und habe nach zwei Ultrakurzbesuchen zum ersten Ansehen heute (inzwischen gestern) die Fläche ausführlich besucht und Fotos gemacht.

Pilze gab es natürlich fast keine, aber ein bisserl was geht immer.

Hier erstmal Fotos der Fläche an sich.





Man sieht deutlich die Kiesgrube. Die Magerrasen neben der Grube liegen zum Glück etwas erhöht über dem Niveau der Wirtschaftswiesen der Lichtung Rothschwaig (jetzt auch braun wegen der Dürre, sonst eher saftig grün).







Hier ist der Tümpel, in dem die Wechselkröte laicht - und siehe da, er ist völlig ausgetrocknet. Wer hätte das gedacht?



Und nun die Pilze...

Ohne Foto: Microstroma album - im Gebiet häufig an der Blattunterseite lebender Eichenblätter (Quercus robur).

Erisyphe alphitoides - an jungen Stieleichen, die Blätter weiß überziehend, noch ohne Kleistothecien (wenn vorhanden, mache ich einen Beleg und mikroskopiere hinein).



Natürlich findet man dort, wo Ahorn steht, auch den Runzelschorf:

Rhytisma acerinum an Blättern von Acer pseudoplatanus (Bergahorn) - noch im Jungstadium



Schließlich fand ich an Euonymus europaeus (Pfaffenhütchen) eine Peniophora. Es war eigentlich klar, dass sie steril ist, aber irgendwas muss man ja mitnehmen. Und siehe da - steril. Es dürfte nur die omniphage Peniophora cinerea sein, aber ich werde in einer günstigeren Witterungsperiode nochmal was mitnehmen.



Auch Xanthoria perietina ist ein Pilz, ein lichenisierter. Jetzt kenne ich mich mit Flechten nicht wirklich aus, die Gattung Xanthoria ist aber leicht kenntlich. Und die Artbestimmung auch halbwegs einfach. Ich habe mich hier an Lindblom et al. (2005): Xanthoria aureola in Norway and a key to the species of Xanthoria s. str. in Scandinavia. Graphis Scripta 17: 12–16. gehalten und kam bei Xanbthoria parietina raus. Hier an Crataegus. Physcia war auch überall, aber da habe ich jetzt noch nicht die Art zu bestimmen versucht. Flechtenprasiten an Xanthoria oder Physcia habe ich noch keine gesehen (kann ja noch werden).



Neben Pilzen gibt es eine Menge an Pflanzen - klar, aber ich will erst ein paar Tiere zeigen. Allen voran die Blauflügelige Ödlandschrecke, Oedipoda caerulescens.



Wenn sie flieht, zeigt sie ihre schönen, blauen Flügel. Die Blauflügelige Sandschrecke ist ähnlich, aber ihr fehlen u.a. die schwarzen Streifen auf den Hinterbeinen. Oedipoda caerulescens kann bräunlich bis grau gefärbt sein, hier ist sie grau.

Die obligatorische Streifenwanze, Graphosoma lineatum, darf auch nicht fehlen. Hier sitzt sie auf wildem Pastinak.



Und hier zwei Fliegen, die sich ausgiebig an einer Skabiosen-Flockenblume laben.



Pflanzen gibt es wie gesagt reichlich - schön ist, dass sich der Kreuzenzian, Gentiana cruciata, angesiedelt hat - er fängt gerade an zu blühen.



Die Karthäusernelke ist jetzt schon fast durch. Das leuchtende Tiefrot der Blüten speichert meine Digitalkamera leider nicht richtig ab. Ich habe versucht, etwas nachzubearbeiten.



Und hier sieht man eine alte Clematis - da werde ich beizeiten nach Cortis suchen - es gibt ja eigene Arten an Clematis.



Ansonsten habe ich pilzlich noch eine Hyphodontia (cmakroskopisch "geraten") gesehen, die ich vor Ort ließ - da warte ich ab, bis es wieder feucht ist und sie Sporen bildet.

Ich fange das Projekt in aller Ruhe an und nehme mit, was ich finden kann bzw. was ich auch bearbeiten kann. Die Phytoparasiten wären sicher ein ganz eigenes Thema. Oder Nabelinge, Rötlinge, Risspilze, die ich dort erwarte. Ganz zu schweigen von den diversen Ascomyzeten, die an Stengeln, Blättern der diversen Pflanzen dort erscheinen dürften.

So habe ich diese dunklen "Dinger" mitgenommen, die auf dem Boden des ausgetrockneten Tümpels erschienen. Zum Grüßenvergleich - das Blatt rechts oben ist ein Eichenblatt.



Pilzliches ist enthalten, aber auch einzellige Grünalgen, sodass es eine Flechte sein dürfte - sie wird es wohl aushalten müssen, wenn sie wieder unter Wasser steht. Auf alle Fälle war das Objekt steril.

Und viele "Pyrenomyzeten" - ich habe eine cf. Diatrype an Crataegus (cf.) gesehen, aber auch vor Ort gelassen, da jetzt das meiste einfach unreif ist.

Für Expertenhilfe wäre ich dankbar (falls mal jemand mitgehen will - z.B. Ascomyzeten-Kenner usw.). Jedenfalls werde ich hier immer wieder mal Updates geben.

Soweit erstmal - liebe Grüße in die Runde,
Christoph

« Letzte Änderung: 23. Juli 2017, 02:18 von Christoph »
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