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Autor Thema: Kartierungsprojekt Rothschwaig - Pilze eines Magerrasens / einer Kiesgrube  (Gelesen 859 mal)

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Offline Christoph

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Servus Peter,

ich bin im Moment fern ab von der Kiesgrube im wunderschönen BayerWald in Heinzens Mykozentrum (Pilzberaterkurs der BMG). Und nein, noch habe ich nicht auf Köttel geachtet - wobei ich auffällige Sachen durchaus mitnehmen würde. Es gibt aber nur sehr wenige Köttel, da die Flächen gemäht und nicht beweidet werden. Manchmal scheint sich aber größeres, tierischen dorthin zu verirren. Falls ich was kötteliges finde, bringe ich es natürlich sehr gerne nach Zeitlarn mit  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Peter P.

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Hallo Christoph,
da ist das Wort "Mist" gefallen. Bestimmst Du auch Arten auf selbigem, die kaum mit dem Auge zu erspähen sind ? Kannst ja nach Zeitlarn etwas Losung mitbringen, außer Hund, Mensch, Katz' und Fischreiher untersuche ich so ziemlich alles. Auch auf bajuwarischem Biber hatte ich schon eine Art, garnicht so einfach mit deren Hinterlassenschaften bei dieser Wasserspülung.
HG Peter P.
« Letzte Änderung: 30. August 2017, 00:43 von Peter P. »
Freiheit ist, das sagen zu dürfen, was andere nicht hören wollen.
Anonymus

Offline Christoph

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Griass di Hias,

im Gegenteil - dank solcher Kartierungen überwindet man sich endlich mal und beschäftigt sich auch mit weißen Trichterlingen  ;D

Zitat
... ich nehm die Teile ja auch immer mit. Allerdings mehr zum Beschreiben als zum Bestimmen, denn sichere Artnamen kommen nur selten dabei raus.

Ja, da hast du allerdings recht. Ich kann bei dem Fund auch erstmal nur ein s.l. dahintersetzen.

Zitat
C. phyllophila ss. Hias produziert tendenziell eher große Schlappen und bevorzugt feuchtere und humusreichere Waldstandorte (z.B. Erlenbruch, feuchter Fichtenwald). Meine Aufsammlungen hatten cremefarbenes, nie rosa gefärbtes Sporenpulver.

Dann sind die Clitocybe phyllophila ss. Hias nicht Cl. phyllophila ss. Korhonen, der den Rosastich explizit berschreibt. Bei mir ist der aber wirklich nur schwach ausgeprägt.
An Clitocybe phyllophila s.l. glaube ich dennoch, denn deutlich gefärbtes Sporenpulver, zapfenartige Auswüchse an den HDS-Hyphen, die dichtstehenden Lamellen (die stehen schon sehr dicht) und die quasi fehlende Inkrustierung der HDS-Hyphen lassen mich nirgendwo anders hinkommen. Der Standort und die schmächtigen Fruchtkörper sprechen dagegen, das gebe ich natürlich zu  ;)

Makroskopisch sehen die Clitocybe rivulosa ss. Hias (http://www.interhias.de/schwammerlseiten/bestimmungen/2011/tricholomataceae/fotos/foto-019.JPG) natürlich sehr ähnlich - bis auf die herablaufenden Lamellen.

Ich werde ja mehr Kollektionen machen. Vielleicht kann ich auch einen Spezialisten dazu gewinnen, die Kollektion mal nachzubestimmen. Wer weiß, welcher Name dann rauskommt. Als sicher bestimmt sehe ich die Kollektion natürlich nicht an - das wäre vermessen bei weißen (oder anderen) Trichterlingen.

LG
Christoph



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Offline Hias

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Servus Christoph,

so ein Mist, dass man bei einer Kartierung auch Trichterlinge mitnehmen muss, gell? :P

Aber Spaß beiseite, ich nehm die Teile ja auch immer mit. Allerdings mehr zum Beschreiben als zum Bestimmen, denn sichere Artnamen kommen nur selten dabei raus.

Du hast nichts zur Größe geschrieben, aber den Fotos nach zu schließen sind das eher kleine bis höchstens mittelgroße Pilze. C. phyllophila ss. Hias produziert tendenziell eher große Schlappen und bevorzugt feuchtere und humusreichere Waldstandorte (z.B. Erlenbruch, feuchter Fichtenwald). Meine Aufsammlungen hatten cremefarbenes, nie rosa gefärbtes Sporenpulver. C. rivulosa würde wohl besser zum Standort passen, die gibt es auch in Fröttmaning draußen, wo ja fast alles wächst, was du bis jetzt aus Rothschwaig gemeldet hast. Allerding gefallen mir die ausgebuchteten Lamellen nicht so recht für die Art. Du kannst ja mal mit den auf meiner Website dokumentierten Funden vergleichen:
http://www.interhias.de/schwammerlseiten/galerie/artenindex.html#C

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Aller guten Dinge sind drei  ;D

jetzt zeige ich weder Saftlinge, noch Rötlinge, sondern einen Trichterling, einen Schirmling und einen Kartoffelbovist.

Zuerst der Trichterling. Ich hatte schon am 10.8.2017 zusammen mit Helmut Grünert einen weißen, etwas aromatisch-pilzlich riechenden, weißen Trichterling gefunden:



Ich kam mikroskopisch auf Clitocybe cf. phyllophila (vor allem wegen der HDS - die Hyphen zeigen die typischen, seitlichen, kurzen Auswüchse und bilden keine richtige Cutis, soondenr eher ein Tomentum). Leider ging der Sporenabwurf schief - ich sammelt im Regen und das Papier zog aus der Stielschnittfläche Wasser und färbte sich ein, sodass der Farbeindruck nicht zu prüfen war. Der Rest war schon auf dem Dörrex und der sporulierende Hut wollte nimmer.

Jetzt kam zum Glück ein neuer Schub an gleicher Stelle:







 Diesmal klappte der Sporenabwurf und es zeigte sich ein recht deutliches cremegelblich - ob jetzt mit Fleischton oder nicht, hm, schwer zu entscheiden. So richtig rosa ist es nicht. Man kann es sich aber einbilden.
Die Sporen sind wie folgt:
(4,25-)4,5-5,1-5,75 x 3,0-3,4-3,75 µm
Q = 1,3-1,49-1,7
Die Sporen sind an der Seite des Apikulus abgerundet, nicht ausgezogen. Sie sind zudem näher am Apikulus am breitesten, also nicht rein ellipsoid. Dafür ist das dem Apikulus entgegengesetzte Ende der Spore oft etwas schmaler abgerundet bzz. minimal ausgezogen. Es gibt aber auch normal ellipsoide Sporen.
Sporentetraden sind mir nicht aufgefallen.
Die HDS ist nicht inkrustiert (nur wenige, farblose, winzige Kristalle).
Die Stielbasis neigt dazu, etwas felsichfarben zu werden und dei Lamellen stehen sehr dicht.

Passt alles eigentlich ganz gut für Clitocybe phyllophila. Mich verwirren nur die doch sehr dicken, groben, weißen Rhizomorphen.

Der Wuchsort liegt in der Nähe des Wiesenrandes, wo ab Mittag Bäume Schatten werfen - dort ist es also nicht so extrem trocken-heiß wie an anderen Stellen. Direkte Begleitarten waren Entoloma incanum, Entoloma excentricum und Hygrocybe conica.

Auf der selben Wiese, auch im Schattenbereich, fand ich dann noch einen Einzelfruchtkörper eines Schirmlings:





Auch hier war Entoloma incanum in direkter Nähe. Der Schirmling sah aus wie und roch wie ein Stinkschirmling. Und siehe da, es ist auch einer. Die HDS besteht aus keuligen Endzellen (hymeniforme HDS ohne lange Haare), die Sporen sind typisch geformt und auch die Maße passen: Sie gehen bis maximal 7 x 3,5 µm. Ich kannte die Art bisher eher als Nitratzeiger, aber offenbar ist es ein Ubiquist, der auch auf Magerstandorten wachsen kann.

Als letzten Fund zeige ich etwas ebenfalls eher Häufiges: den Leopardenfellbovist, Scleroderma areolatum:





 Die Peridie ist sehr dünn, im Schnitt rötet sie, die Hyphen schnallenlos, die Sporen ohne Netz, nur mit Stacheln (die nur teils etwas verbunden sind und nur in Ausnahmefällen wenige, einzelne Netzmaschen andeuten). Die größten Sporen, die ich fand, waren 14,25 µm im Durchmesser. Das ist etwas klein für die Art, aber noch deutlich größer als die sonst im Mikroskop recht ähnliche Scleroderma cepa.
Der Symbiodepartner ist eine Stieleiche, die auf der Fläche steht.

Soweit die Neuigkeiten aus Rothschwaig. Ich werde erst im September wieder auf die Fläche gehen können.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 25. August 2017, 00:38 von Christoph »
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Offline Christoph

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So, nun der eben angekündigte Rötlingsbeitrag. Entoloma excentricum ist noch da, aber nur noch vereinzelt, aber an mehreren Stellen im Gebiet. Dafür habe ich nach ein paar wenigen Schritten einen guten Bekannten aus Moor- und Feuchtwieden gefunden: Entoloma mougeotii - die Art hat eine recht breite ökologische Potenz, solange nicht aufgedüngt wird. Der deutsche Name "Schiefergrauer Zärtling" passt wunderbar, denn schiefergrau ist die Art. Jung zeigt sie aber deutliche Violettöne im Schiefergrau und ist dann richtig hübsch. Hier ein paar Fotos:









Und dann ging ich auf den hintersten Bereich der Flächen und musste aufpassen, wo ich hintrete. Es war ein regelrechter Aspekt der wunderschön grünen Entoloma incanum. Man könnte die Art farblich fast für einen Saftling halten. Der Gestank nach verbrannten Fingernägeln bzw. nach Mäusekot stört da gar nicht. Immer wieder gab es ganze Gruppen zu bestaunen, auch Einzelfruchtkörper - und das im Grün der Vegetation. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Es war beeindruckend.









Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 25. August 2017, 00:35 von Christoph »
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Offline Christoph

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Hallo zusammen,

am 23.8.2017 war ich wieder im rothschwaiger Trockenrasen unterwegs - und siehe da, es gab (logischerweise) neue Arten. Ich fange aber erstmal mit etwas Bekannten an: Hygrocybe acutoconica. Sie sprießen noch immer auf der gesamten Fläche. Es gibt sie in groß, mit Orangetönen und 4-sporigen Basidien auf der Fläche und zudem kleiner, rein gelb und mit einem jung auffallend opaquen Hutbuckel.


Hier steht ein schön gefärbtes, orangehütiges Prachtexemplar mitten im Schotter des Kiesgrubenhangs.


Und hier sieht man, dass das Epitethon "acutoconica" passend gewählt wurde. Diese Zipfelmützenform sieht man auch immer wieder.

Ich habe diesmal routinemäßig ein paar Winzlinge mitgenommen (nicht, dass das doch was anderes ist) und siehe da: wieder die 2-sporige H. acutoconica.


Hier sieht man die glasig-opaque Hutmitte/Papille gut.

Dann habe ich als "neue" Art (bin ja erst einen Monat aktiv auf der Fläche, da ist fast alles noch neu) einen schwärzenden Gattungskollegen gefunden. Makroskopisch klar - Lamellen nicht rot, sondern blass gelb, Hut aber mit zwar gebrochen-schmutzigen Rottönen, aber eben mit Rottönen - insofern eine klassische Hygrocybe conica:





Und siehe da, 2-sporige Basidien, keine Schnallen, also die "klassische", asexuelle Form. Eins war aber dann doch interessant an der Aufsammlung. Ich weiß ja, dass die Sporenmaße bei Hygrocybe conica recht variabel sind (Artenagregat oder eine extrem plastische Art?). Ich bekam hier heraus:
(8,75-)10,0-11,0-12,5 x (6,25-)7,5-8,6-9,75(-10,25) µm
und Q = (1,1-)1,2-1,29-1,4(-1,6)
Die Sporen sind teils also schon sehr nah an der Kugelform, auf alle Fälle sind sie auffallend breit elliptisch, extremer, als in meiner Literatur verzeichnet. So gibt Boertmann für den Durchschnittswert des Quotienten 1,5-1,9 an, ich habe 1,3. Ich habe es jedenfalls vermerkt und werde auch in Zukunft darauf achten. Die Art ist ja nicht gerade selten.

Soviel zu den Saftlingen. Ich mache dann gleich mit Rötlingen weiter...
LG
Christoph
« Letzte Änderung: 25. August 2017, 00:06 von Christoph »
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Offline Christoph

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Und noch ein Update - ein für solche Habitate typischer Risspilz: Inocybe dulcamara. Er gehört zur Untergattung Mallocybe (die meines Erachtens Gattungsrang verdient - bzw. aufgrund der Ergebnisse, die Ludwig Beenken in siner Diplomarbeit über die Mykorrhizen der Gattung Inocybe herausgefunden hat).







Makroskopisch sehen sich da mehrere Arten doch recht ähnlich und mikroskopisch sind sie etwas unspektakulär. Sporenmaße, Cystidenform und Makroskopie passen hier aber sehr gut auf die wohl häufigste Art dieser Untergattung.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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So und nun zwei Fotos als Update...

Ich habe rein gelbe Saftlinge mitgenommen, die ich makroskopisch als Hygrocybe acutoconica s.l. angesprochen habe:



Interessanterweise waren die rein zitonengelben zweisporig (natürlich schnallenlos) - die Sporen sind länger als bei der viersporigen Variante, genau so, wie von Boertmann beschrieben. Die Sporen sind ca. 11,5-14,5 x 5,75-6,5(-8,5) µm groß. Manche Sporen sind so breit, dass man fast an Hygrocybe acutoconica var. konradii denken könnte, aber dafür sind es zu wenige. So bleibt es bei Hygrcoybe acutoconica var. acutoconica als zweisporige Ausprägung (asexuelle Fruchtkörper).

Hier noch ein aktuelles Foto der kleinen Nabelinge, die mehrere Quadratmeter überziehen (vergleiche http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1560.0.html):




Wieder ist ein gewisser Rotton in den Fruchtkörpern zu erkennen. Die Sporen waren wieder zu breit für Omphalina pyxidata s.str., sodass ich bei Omphalina cf. rivulicola bleibe, bis ich Sequenzdaten habe.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 12. August 2017, 16:20 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus Gernot,

freut mich, dass dir der Thread gefällt.  :)
Ich werde natürlich sehr gerne weiter mit Updates interessante Arten vorstellen, die ich gefunden habe. Ja, Inocybe fuscomarginata erhoffe ich auch - in der Fröttmaninger Heide (nördlich von München, nahe der Allianz-Arena) wachsen auch die von dir genannten Arten beisammen (ebenfalls Kalkschptterböden, ehemaliger Truppenübungsplatz).
Ich habe einen kleinen Risspilz gefunden (jetzt schon zweimal), den ich nach einem Bestimmungsversuch an Ditte geschickt habe. Scheint was neues zu sein (sie hat bisher nur eine entsprechende Aufsammlung aus einem sehr ähnlichen Habitat), weshalb ich davon keine Bilder zeige (sind für die mögliche Publikation).

Hygrocybe acutoconica bildet jetzt einen regelmäßigen Aspekt aus (steht "überalle"). Ich zeige später weitere Fotos. Witzigerweise waren die gelben zweisporig und die orange gefärbten viersporig.

LG
Christoph
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Offline Gernot

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Servus, Christoph,

deine Berichte über die Rothschwaig-Funde finde ich sehr interessant und hoffe, dass du den Fred auch weiterhin mit so schönen Beiträgen füttern wirst.  :)

Zum gemeinsamen Vorkommen von H. calciphila und E. excentricum kann ich vielleicht noch berichten, dass ich diese beiden Arten aus einem Naturschutzgebiet beim Hochschwab ebenfalls vergesellschaftet kenne. An den dortigen Kalkschuttflächen ist H. calciphila z. T. ein richtiger Massenpilz. Entoloma excentricum wächst nicht ganz so zahlreich aber doch regelmäßig bei Pinus sylvestris und Dryas. Weitere Massenpilze auf diesen schottrigen, wenig bewachsenen Flächen sind Inocybe fuscomarginata und Thelephora caryophyllea – vielleicht kommen dir die ja auch noch unter. Hygrocybe acutoconica hab ich bei den Fundstellen von H. calciphila und E. excentricum übrigens auch schon gefunden.

Hier noch ein Foto vom letzten Jahr:



Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Gestern war ich wieder (aber nur kurz) unterwegs und habe zuerst zwei Eizelfruchtkörper kleiner Leptonien gesehen (mikroskopiert man, hat man keinen Beleg mehr), sie also stehen gelassen, um dann durch rote Farbtupfer belohnt zu werden:

Hygrocybe calciphila - an genau der Stelle, an der letzte Woche Hygrocybe acutoconica wuchs (bzw. ein alter Fruchtkörper davon war noch vorhanden).







Auf einem der Trockenrasen außerhalb der Kiesgrube fand ich dann noch einen Rötling, der auf den ersten Blick wie ein Fälbling daherkam. Der brüchige und immer exzentrische Stiel und die alt rosa Lamellen zeigten dann klar Entoloma an. Im Gelände waren die Lamellenschneiden noch nicht oder kaum braun, eine Stunde nach dem Sammeln aber dann doch.
Durch die großen, geschnäbelten Cheilocystiden, die zwar bereits kollabierenden, aber noch erkennbaren Caulocystiden neben weiteren Mikromerkmalen, war die von Hias Dindl bereits vorgenommene Feldbestimmung als Entoloma excentricum s.str. dann bestätigt.







Die von Senn-Irlet & Woltsche (2002) - http://www.zobodat.at/pdf/OestZPilz_11_0029-0033.pdf -  festgestellten Pleurocystiden habe ich nicht finden können. Da aber auch die Caulocystiden bereits am Kollabieren waren, kann natürlich sein, dass sie (trotz Frischmaterials) ihren Turgor verloren haben. Die Schwammerl mussten auch erst im Kühlschrank übernachten, bevor ich sie mikroskopiert habe. Offenbar muss man Entoloma excentricum direkt und sofort unters Mikroskop legen.

Beide hier vorgestellte Arten passen perfekt zum Standort: Kalkschotter, Magerrasen, Trockenrasen.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 8. August 2017, 17:31 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus beinand,

jetzt habe ich ganz frische Fruchtkörper von Hygrocybe acutoconica s.str. finden können - es ist zwar an einer anderen Stelle als die beiden Hitzeopfer, die ich bereits gezeigt habe, aber es ist das gleiche Biotop.



Die Bilder sehen sehr ähnlich dem, was Heilmann-Clausen et al. in ihrer Lactarius-Bearbeitung gezeigt haben.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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So, jetzt habe ich ein bisserl am Mikroskop verbracht.

Ich habe - wie schon zwischengemeldet - eine von "irgendwas" befallene Xanthoria parietina aufgesammelt, die an einem ansitzendem, aber abgestorbenen Ast einer solitätren Kirsche wuchs. Hier sieht man das Asterl in einer Großaufnahme.



Ich habe eigentlich Xanthoriicola physciae gesucht und dachte mir, dass die Apothecien der Xanthoria noch zu blass, nicht dunkel bis schwärzlich genug sind, aber aufgrund mancher dunkler Punkte auf den Apothecienscheiben das ganze dann doch aufgesammelt.

Xanthoriicola physciae
habe ich dann doch nicht gefunden, dafür einiges an Hyphen, diverse Sporen, einen nichtssagenden "Schimmel", den ich links liegen ließ, bis ich dann einmal vesehentlich an einem Apothecium vorbei gescnitten hatte und den Thallus traf. Und siehe da, ich fand kleine Gehäuse, Durchmesser maximal 80 µm, die an der Spitze schwarze Haare tragen. Das sieht in etwas so aus wie Pyrenochaeta xanthoriae, der aber ein Coelomyzet ist, also im Gegensatz zu meinem Fund keine Asci bildet, sondern nur asexuelle Mitosporen.
Die Asci sind bitunicat, wobei im Alter die innere Wandschicht verschwindet und sie dann unitunikat aussehen. Die Sporen sind im Mirksokop grausschwärzlich, dreifach septiert und liegen ungeordnet übereinander im Ascus.
Ich habe als Sporengröße (bei einer ersten Messung) folgendes herausbekommen: 10,5-12(-12,5) x 4-4,75 µm - die Originalbeschreibung gibt (9,5–)9,9–11,2(–11,5)×(4,0–)4,2–4,6(–5,0) μm an, also um einen Mikrometer kürzere Sporen, was die Maximalwerte betrifft. Das passt ganz gut.

Die typischen, kugelförmigen Perithecien mit der Sporenform und -farbe sowie die Asci (Form, Sporenanordnung, zwei Wandschichten) passen bestens auf die Beschreibung von Capronia suijae (siehe einen Beitrag weiter unten).

Ich habe, nachdem ich zunächst absolut nichts passendes in meiner Literatur zu Pilzen an und auf Xanthoria nichts fand, vor mich los recherchiert und dann diesen aktuellen Artikel aus dem Lichenologist ausgegraben. Und was sah ich? Mikrofotos, die bestens zu meinem Fund passen - und das bei der neu beschriebenen Art an Xanthoria - wunderbar!

Da ich keine Mikroskopkamera habe, habe ich die Mikromerkmale und ein Pereithecium gezeichnet - wird für eine Publikation vorbereitet, deshalb zeige ich jetzt nicht die Scans.

Ich fand dann noch einen kleinen Becherling an einem alten Pastinak-Stängel.



Leider noch nicht wirklich reif - ich sah keine reifen Asci, aber ein paar Sporen (falls sie dazugehören), die 1-1,5 µm breit waren und so um die 10-12 µm lang. Die inkrustierten Randhaare (farblos hyaliine Auflagerungen) und die Paraphysen passen ganz gut auf Trichopeziza mollissima. Da aber unreif, lasse ich es als cf. stehen. Wenn es feuchter wird, werde ich wohl mehr davon auf den Pastinaken des Vorjahrs finden.

Und siehe da, ich habe einen Saflting gefunden, den ich gestern übersehen habe. Die Fruchtkörper waren aber völlig hinüber und haben die Hitze nicht überstanden.





Der große Fruchtkörper lag genau so wie auf dem Foto kopfunter auf einem Stein (Stielbasis natürlich im Boden), der kleine Fruchtkörper hat mit seinem Hut gerade mal die Pflanzendecke durchdrungen, war aber auch schon kaputt.

Sporen gab's und Basidien und Tramahyphen der Lamelle - zusammen mit dem nicht schwärzenden Fruchtkörper und dem spitzen Hut kommt man leicht auf Hygrocybe acutoconica - hier in der 4-sporigen, schnallentragenden, also sexuellen Variante.

Dank des Fruchtkörpermangels habe ich auf die Xanthoria geachtet und damit einen Fund einer sehr neuen und nur von der Typuslokalität in Weißrussland bekannten Capronia suijae machen können. Ich schimpfe, glaube ich, nicht mehr über zu trocken-heißes Wetter  8)

LG
Christoph
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@Peter: ich bringe gerne Köttelproben mit zur Tagung.

Jetzt bin ich grad am Mikroskop und werde noch ein bisserl hier sitzen müssen. Ich habe nämlich heute in Rothschwaig auf einer Xanthoria die erst im Januar 2017 neu beschriebene Capronia suijae Tsurykau & Etayo gefunden. Das dürfte dann wohl ein Erstnachweis für Deutschland sein.

siehe Tsurykau A, Etayo J (2017): Capronia suijae (Herpotrichiellaceae, Eurotiomycetes), a new fungus on Xanthoria parietina from Belarus, with a key to the lichenicolous species growing on Xanthoria s. str. The Lichenologist 49(1): 1–12


Später mehr davon.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 23. Juli 2017, 22:58 von Christoph »
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