Autor Thema: Kartierungsprojekt Rothschwaig - Pilze eines Magerrasens / einer Kiesgrube  (Gelesen 3079 mal)

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Offline Christoph

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Servus beinand,

hier bei uns liegt Schnee - der Winter macht doch gerade Stippvisite. Zeit, um ein Rothschwaig-Update zu bringen. Die Bilder stammen von Ende Januar.

Zunächst fand ich in der Streu, im Boden und auch an Kiefernästen bei Kiefer einen Corti. Eigentlich fand ich ihn, weil ich einen Kiefernast umgedreht habe und auf der Unterseite war er dran, der Corti, aber eben auch großflächig rundherum, im Boden, in der Streu, wuchs und auffällige Rhizomorphen besitzt. Das riecht immer stark nach einem Ektomykorrhizapilz. Der cremefarbene Ton hätte mich eigentlich schon im Gelände zu einer Bestimmung bringen können, aber sehr alte Bereiche des Fruchtkörpers waren fast schon fuchsrötlich - und das kannte ich so noch nicht. Aber wer sammelt schon Ende Januar Mykorrhiza-Cortis?


Amphinema byssoides - ein ektotropher Symbiont der Waldkiefer




Im Mikroskop war es dann klar. Es war / ist Amphinema byssoides, ein häufiger, aber wenig beachteter / kartierter Corti, der mit Nadelbäumen und hier auch gerne mit Kiefer in Symbiose lebt.

Am selben Kiefernast, den ich zuerst umgedreht habe, fand ich noch winzige, zironengelbe Kissen. Das sah aus wie irgendwelche junge Becherlinge:


Dendrodochium citrinum an Kiefernast

 Und in der Not frisst der Teufel Fliegen - im Glauben, etwas unreifesd mitzunehmen, habe ich sogar ein Foto gemacht und auch diese Winzlinge mitgenommen. Zuahuse überraschten mich Unmengen kleiner Konidien. Zufälligerweise war genau der Pilz quasi zeitgleich Thema im EU-Pilzforum. So erfuhr ich den Namen, ohne in Ellis & Ellis blättern zu müssen. Es handelt sich um Dendrodochium citrinum, das häufig an Kiefer zu finden ist.

Dann nahm ich in meinem Übermut noch ein kleines, warzig-grandinoides Corti-Dingens mit:



 Leider war der Fruchtkörper absolut unreif - kopfige Cystidiolen waren zu finden, aber keinerlei Sporen oder reife Basidien. Irgendwas aus der Gruppe um Hyphodontia aspera / breviseta usw. dürfte es sein. Da sehe ich aber ganz gerne die Sporen. Muss ich in der kommenden Saison nachsammeln.

Natürlich auch unreif war Corticium roseum an einem Salix-Zweig, der wohl durch die Winterstürme gebrochen ist und in die Kiesgrube geweht wurde. Corticium roseum ist fast das ganze Jahr über steril - man findet dann nur Dendrohyphidien und darin versteckt Basidiolen. Nur in einem kurzen Zeitfenster im Frühjahr reifen die Basidiolen zu Basidien aus und Corticium roseum sporuliert.



Ob der Spenderbaum nun auf der Fläche oder nahe der Fläche steht, kann ich also nicht überprüfen. Der Pilz selbst ist aber in der Fläche, also gehört er auch dazu  ;D

Lamellenpilze gab es auch - Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare). Nur habe ich da kein Foto gemacht. Da wurde es schon dunkel und fotogen waren sie auch nicht. Ansonsten gab es nur eingefrorene, wieder aufgetaute und wieder gefrorene Mumien - darunter immer noch Butterpilzleichen und Mallocyben (Inocybe dulcamara i.w.S. - und das weiß ich auch nur, weil ich die Fruchtkörper noch halbwegs frisch sah, dann als Mumien, jetzt als alte Mumien.

Wenn der Schnee wieder weg ist und es ein paar Tage wieder warm war, könnte wieder was neues in Rothschwaig wachsen. Ich lass mich überraschen.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 8. Februar 2018, 22:40 von Christoph »
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Offline Christoph

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Sehr hübsch, Rudi,

den blass-weißen Gesellen habe ich noch nie gesehen / gefunden.

Liebe Grüße,
Christoph


 
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Offline Rudi

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Servus Christoph und Hias

Ich hab auch grad mal nachgeschaut, ob ich meinem Gedächtnis noch trauen kann...
Aber stimmt: auch hier auf Kalk finde ich S.l. regelmässig, allerdings nur ca 1-2x/Jahr.
Vor 10 Jahren gabs da sogar mal die vornehm blasse Variante.

Schöne Restfeiertage!
LG Rudi
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Offline Christoph

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Griass di Hias,

das passt vom Habitat ja perfekt zusammen. So kann man sich irren, denn wie gesagt war der Butterpilz für mich bisher nur ein Pilz saurer Böden. Danke für den Input  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Hias

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Servus Christoph,

ich selbst kannte Butterpilze bis vor einigen Jahren nur aus den stocksauren "Preiselbeer-Wäldern" im Norden Russlands, bis ich sie dann in der Fröttmaninger Heide auf Kalkschotter fand. Dort treiben sie sich regelmäßig herum.

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Servus zusammen,

ich möchte noch zwei Pilze nachtragen, die ich noch im November gefunden hatte. Beide sind ziemlich banale Arten, jedoch war ich trotzdem sehr erstaunt, die erste der zwei in Rothschwaig finden zu können.

Es geht um den Butterpilz, Suillus luteus. Klar, Kiefern stehen dort ja, aber ich selber habe noch nie auf Kalkschotter Butterpilze gefunden. Ich kannte sie bislang nur von sauren Böden. Die Bestimmung ist ja unzweifelhaft, denn der Hut zeight die typische eingewachsene Radialfaserigkeit unter dem Schleim und der Ring ist auch vorhanden, auch wenn er teils sehr tief hängt und teils am Hutrand hängen geblieben ist. Das schleimige Velum universale ist aber klar und deutlich.







Der andere Pilz wächst auch jetzt noch - das Mäuseschwänzchen, Baeospora myosura. Die winzigen, amyloiden Sporen sichern die Bestimmung sehr einfach ab.



Vermutlich gehe ich morgen nochmal raus auf die Wiese - falls ich was nettes finde, gibt es dann nochmal ein Update (aber ohne Schmierröhrlinge, denn die sind durch, davon liegen nur noch Leichen herum).

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Servus Rudi,

mittlerweile sind alle Weichritterlinge auf der Rothschwaiger Wiese dem Frost zum Opfer gefallen. Tapfer sind die Pseudoclitocybe expallens - sie waren lange durchgefroren und stocksteif, sind mittlerweile aufgetaut und leben zum großen Teil noch. Nur sind sie jetzt nicht mehr gerieft, da die HDS durch den Dauerfrost dort im Schatten am Boden nen Schlag abbekommen hat.

Gestern war ich wieder unterwegs und habe dafür ein paar neue Arten finden können.

Wenn auch nicht sooo selten freue ich mich dennoch über Illosporiopsis christiansenii.



Ich habe diesen Flechtenparasiten bisher nur auf Physcia gehabt. Damit ist das für mich der Erstfund an Xanthoria (aber nur für mich selbst, denn er ist natürlich auch von Xanthoria bekannt). Wir haben ja auch einen eigenen Illosporiopsis-Thread, auf den ich hier natürlich auch gerne querverweise: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,499.0.html

Dann habe ich, jetzt aber wirklich auf Physica, noch etwas rosaliches gefunden. Im Gegensatz zu Illosporiopsis, der zu den Ascomyzeten gehört, handelt es sich jetzt um einen Basidiomyzeten. Ich hatte leider beim Fotografieren die größeren Bulbillen übersehen, man sieht hier nur links oben am Rand des Rosalichen Überzugs zwei kleine Bulbillen.



 Ich habe im Mikroskop sogar eine Basidie gesehen, die ziemlich gut auf Marchandiomyces aurantiacus passt. Ich hatte aber wenig Zeit, genauer zu mikroskopieren. Es gibt ja mittlerweile noch weitere rosa Cortis (i.w.S.) an Flechten. Das läuft zum Glück nicht weg.

Lamellenpilze gab es bis auf die Pseudoclitocybe kaum noch. Es standen die letzten Mohikaner der Galerina clavata herum (ich habe ehrlich gesagt nur noch einen Fruchtkörper gesehen, aber ich habe nicht die ganze Wiese auf allen Vieren abgesucht). Dafür habe ich Tubaria hiemalis gefunden - mit ganz typischen, deutlich kopfigen Cheilozystiden.



Allerdings waren die Fruchtkörper auch schon vom Frost mitgenommen, was man hier gut sieht. Ach ja, ich habe auch noch die letzten Mäuseaschwanzrüblinge gesehen - Baeospora myosura (aber nicht fotografiert).

Was jetzt aber in Massen sprießt (und bereits reif ist): Phragmotrichum chailletii an Fichtenzapfen.



Wer gerne mikroskopiert, muss sich den mal anschauen. Die Sporenketten sind sowas von grandios!

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2017, 19:51 von Christoph »
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Offline Rudi

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Servus Christoph,

Auch bei uns gibts ähnliches. Neben Arrhenia spathulata gibts auch reichlich Omphalina rickenii und einige Galerinchen, die ich aber noch nicht genauer untersucht habe.
Weichritterlinge sind allerdings auf den Kalkmagerrasen zur Zeit reichlich vorhanden. Auch da hab ich noch nicht hineingeschaut- früher bin ich allerdings schön öfter beim Schlüsseln gescheitert...
Als Beispiel 5 Aufsammlungen

LG Rudi
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Offline Christoph

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Servus beinand,

neben Pseudoclitocybe expallens (siehe einen Beitrag weiter unten) habe ich noch ein paar Schwammerl mehr gefunden. Drei davon will ich gerne vorzeigen.

Sehr gefreut habe ich mich über Arrhenia spathulata - ich habe diese Arrhenia noch nie selbst gefunden. Gestern war es soweit. Laut Pilze-Deutschland gibt es nur einen Fundpunkt in Südbayern, aber die Karten sind da leider nicht unbedingt aktuell (es fehlen auch die Krieglsteiner-Punkte).

Die Art ist leicht bestimmbar: Stiel praktisch ganz reduziert, Lamellen nur aderig, Hut frisch grau (nur trocken hell), keine Schnallen (etc.). Kann ein Mooskenner den Wirt eventuell bestimmen?

Hier die Fotos:







Die zweite Art ist sehr häufig und auch leicht kenntlich: Galerina clavata - sie hat keine Schnallen, die Sporen haben keine Plage, sind aber stark warzig, dafür kaum bis nicht dextrinoid (häublingsuntypisch), dann die entfernt stehenden Lamellen und fehlender Mehlgeruch und -geschmack. Die Cheilocystiden sind deutlich kopfig. Ähnlich ist nur Galerina heterocystis.

Galerina clavata kommt truppweise auf meiner "Ellerlingswiese" in Rothschwaig vor, aber nicht im Steinbruch (dort zu wenige Moose?).



Aller guter Dinge sind drei - noch ein Weichritterling. Da ist die Bestimmung ja immer so eine Sache. Die Cheilocystiden sind teils brennhaarartig, aber mit recht breitem Kopf, teils auch septiert, aber es kommen auch recht große Cystiden vor, die graduell breiter werden. Die Zuordnung ist also nicht ganz klar. Pleurocystiden gibt es, aber nur sehr vereinzelt. Diese sind eher brennhaarartig, aber der kristalltragende Hals ist hier auch um die 4 µm dick. Die Sporen sind warzig mit einzelnen Graten, also verbundenen Warzen, aber nicht netzig-gratig.
Das Stielfleisch ist in der Stielbasis fast schwarz und nach oben hin immer heller werdend. Der Geruch ist seltsam. Ich habe Lakritzgeruch wahrgenommen, später wurde es eher ein Geruch in Richtung Sauerkraut - etwas seltsam. Der Geschmack hingegen war banal pilzartig.
Der Stiel ist sehr fein längsrillig, unter der Lupe oben deutlich bepudert.
Ich komme hier beim Schlüsseln mit Bon bei Melanoleuca kuehneri raus. Ob's wirklich stimmt, weiß ich natürlich nicht sicher. Zumindest wäre die Art praticol (nicht ausschließlich, aber durchaus). In Kalkmagerrasen - hier zwar so gut wie ohne Gräser - wird es ja nicht soooo viele Weichritterlinge gben?!



Kann jemand die Bestimmung halbwegs bestätigen oder widerlegen/anzweifeln?

Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 23. November 2017, 20:46 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus Gernot,

Cuphophyllus pratensis s.l. passt gut zu Rudis Fund. Ich selbst bin mir nicht sicher, welchen Status Cuphophyllus ochraceopallidus verdient. Auf meiner Wiese finde ich optisch Übergänge von rein weiß zu weiß mit etwas ockerblasser Mitte hin zu deutlich durchgefärbt auf engstem Raum.

Zitat
Die Fruchtkörper waren aber nicht gerade schmächtig, insofern halte ich das eher für kein brauchbares Unterscheidungsmerkmal zu C. virgineus.

Aber dünnfleischig waren sie schon?! Und wie groß war der große Fruchtkörper?

Gestern war ich wieder unterwegs in Rothschwaig - das Wetter musste ich einfach ausnutzen. Es war dermaßen warm durch den Föhn, dass ich keine Jacke mehr braucht - sehr angenehm.

Die Kalkschotterflächen waren immer noch voll mit Pseudoclitocybe expallens, den ich hier ein bisserl vorstellen möchte. Wenn die Hüte sehr durchnässt sind, können sie ziemlich dunkel sein, fast schwarz und sind dann eigentlich kaum von Pseudoclitocybe cyathiformis zu unterscheiden. Verlieren sie aber die Nässe und sind normal durchfeuchtet, sind die viel blasser und vor allem deutlich durchscheinend gerieft. Hierbei behalten sie einen sehr dunklen, zentralen Fleck - meist mit winzigem Buckel. Trocknen sie dann weiter ab, so zeigen sie eine sehr starl ausgeprägte Hygrophanität.
Frisch riechen sie teils nach fast nichts, sobald sie aber etwas in einer Schachtel waren, riechen sie sehr stark nach reiner Blausäure, also wie ein Mönchskopf.

In Rothschwaig bildet Pseudoclitocybe fast einen Aspekt. Letzte Woche waren es sicher über Hundert Fruchtkörper - jetzt sind es zwar weniger, aber immer insgesamt noch sehr viele.

Hier eine kleine Fotostrecke...


Blasser Hut, dunkle Mitte mit kleiner Papille und deutlich durchscheinend gerieft - typisch für noch feuchte Hüte.


Links ein bereits fast abgetrockneter Fruchtkörper - der Hut ist dann sehr hell.


Eine Dreiergruppe und erneut mit dieser typischen, fast schwarzen Hutmitte mit Papille.




Hier sieht man, wie der Hut abzutrocknen beginnt und deutlich hygrophan reagiert - in zentrifugalen Streifen.


Junger, noch sehr dunkler Fruchtkörper - sehr stark durchfeuchtet.


Noch jüngerer Fruchtkörper ("Baby") und schon deutlich gerieft.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 23. November 2017, 20:23 von Christoph »
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Offline Gernot

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Servus in die Runde,

ich bin ähnlich skeptisch wie Christoph was Rudis Fund betrifft – bei dieser Hutoberfläche (und auch vom Habitus her) denke ich eher an Cuphophyllus pratensis inkl. var. pallidus bzw. C. berkeleyi oder wie auch immer man die hellen Kollektionen nennen möchte.

Einen Fund von heuer, den ich Cuphophyllus (virgineus var.) ochraceopallidus getauft habe, hänge ich an. Er passt m. E. gut zur Abbildung im Boertmann und stammt auch von einem Kalktrockenrasen. Die Fruchtkörper waren aber nicht gerade schmächtig, insofern halte ich das eher für kein brauchbares Unterscheidungsmerkmal zu C. virgineus. Vor ein paar Tagen ist mir übrigens aufgefallen, dass ich wohl noch gar kein Foto vom echten Jungfern-Ellerling gemacht habe – so ist das mit den "banalen" Schwammerln. :-X

Mit C. cereopallidus habe ich mich bislang übrigens noch nicht näher beschäftigt und auch eine mikroskopische Untersuchung der oben erwähnten bzw. unten gezeigten Kollektion steht noch aus.

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Servus Rudi,

so kräftig und robust kenne ich Cuphophyllus ochraceopallidus nicht. Auch ist die Hutoberfläche seltsam marmoriert. Sporen- und Basidienmaße passen aber?
Ellerlinge sind übrigens definitiv keine Saftlingen. Das hat mittlerweile auch Boertmann eingesehen.

Wenn deine Kollektion C. ochraceopallidus ist, wäre dieser Ellerling sehr variabel. Gut, warum auch nicht?

Danke für die Rückmeldung  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Rudi

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Servus Christoph,

"meine" ochraceopallida ist deutlich kräftiger, der Hut 3-5cm DM mit kräftiger Zeichnung, auch der Stiel ist dicker als 5 mm.
Gerade war ich nochmal bei meine Fundstelle, leider gabs grad davon nix mehr :'(
Deshalb kann ich nur die alten Bilder anbieten:
http://pilzseite.de/Pilzgalerie/Hygrocybe/ochraceopallida/FrameSet.htm

Die meisten Schwammerl hatte schon einen frostigen Hau mitbekommen. Schön waren noch ein Paar Fliegenpilze, viele Wiesen- sowie Jungfernellerlinge Anistrichterlinge, Clavaria kunzei und einige Galerinchen.

LG Rudi
« Letzte Änderung: 21. November 2017, 18:48 von Rudi »
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Offline Christoph

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Servus beinand,

ich möchte nur ein kleines Update beisteuern... Endlich konnte ich mal wieder raus in die Rothschwaig. Die Hauptsaison habe ich ja leider krank verpasst.

Jedenfalls habe ich neben Cuphophyllus colemannianus, der nicht mehr fotogen war, die üblichen weiß-cremefarbenen Ellerlinge gefunden:





Cuphophyllus ochraceopallidus - erkennbar an dem cremeockerlich-blassbräunlichen Hut. Zudem kenne ich den nur recht schmächtig und zierlich, während Cuphophyllus virgineus (s.str.). auch sehr kräftig sein kann. Letzterer wächst quasi überall, wo nicht zu viel Dünger ist, ist bodenvag (sauer und basisch), während ich C. ochraceopallidus nur von Kalkmagerrasen kenne (werde da aber gerne eines Besseren belehrt).

Jetzt gibt es das Problem, dass Cuphophyllus cereopallidus älter ist (als Caramophyllus beschrieben) und ähnlich aussehen soll. Vielleicht sind sie auch Synonym, denn müsste das, was ich hier zeige, C. cereopallidus heißen.
Laut Originalbeschreibung hat C. cereopallidus auffallend kurze Basidien, was bei meinem Fund nicht der Fall war. Aber wie variabel sind die Basidiengrößen bei Cuphophyllus? Laut Boertmann soll C. cereopallidus mehr ins Gelbe gehen. Dann beschreibt Bon in seiner Hygrophoraceen-Arbeit (dem Schlüssel) C. ochraceopallidus als trockenhütig, was Boertmann als ein davon getrenntes Taxon ansieht.

Man sieht, selbst so was "klares" wie die weißen bis weißlichen Ellerlinge sind noch nicht geklärt, was Artabgrenzung und Artkonzept angeht.

Bei meinen Funden fällt eine recht große Variabilität der Hutfarbe auf. Sie sind jung rein weiß, bekommen dann einen blassbräunlich-cremefarbenen Fleck in der Mitte, um schließlich mehr oder weniger einheitlich cremebräunlich zu werden. C. fuscescens schließe ich aber aufgrund der Sporenmaße aus (der hätte längere Sporen).

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: der weiße Trichterling bekommt vermutlich doch noch einen Namen - ich gebe mittlerweile Hias völlig recht, dass es nicht Cl. phyllophila s.str. ist. Ich bin da noch am Werkeln und werde, wenn ich über den Winter fertig bin (oder nächstes Jahr nochmal Nachschub gesammelt habe und dann nochmal alles frisch mikroskopiere) noch Spezialistenhilfe suchen  ;)
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Offline Christoph

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Servus Peter,

ich bin im Moment fern ab von der Kiesgrube im wunderschönen BayerWald in Heinzens Mykozentrum (Pilzberaterkurs der BMG). Und nein, noch habe ich nicht auf Köttel geachtet - wobei ich auffällige Sachen durchaus mitnehmen würde. Es gibt aber nur sehr wenige Köttel, da die Flächen gemäht und nicht beweidet werden. Manchmal scheint sich aber größeres, tierischen dorthin zu verirren. Falls ich was kötteliges finde, bringe ich es natürlich sehr gerne nach Zeitlarn mit  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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