A A A A
Autor Thema: Kartierungsprojekt Rothschwaig - Pilze eines Magerrasens / einer Kiesgrube  (Gelesen 1682 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Rudi

  • Präsidium
  • ******
  • Beiträge: 3.124
    • pilzseite
Servus Christoph,

Auch bei uns gibts ähnliches. Neben Arrhenia spathulata gibts auch reichlich Omphalina rickenii und einige Galerinchen, die ich aber noch nicht genauer untersucht habe.
Weichritterlinge sind allerdings auf den Kalkmagerrasen zur Zeit reichlich vorhanden. Auch da hab ich noch nicht hineingeschaut- früher bin ich allerdings schön öfter beim Schlüsseln gescheitert...
Als Beispiel 5 Aufsammlungen

LG Rudi
Medicus curat, natura sanat (Während der Arzt kuriert, heilt die Natur-auch ihn)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Servus beinand,

neben Pseudoclitocybe expallens (siehe einen Beitrag weiter unten) habe ich noch ein paar Schwammerl mehr gefunden. Drei davon will ich gerne vorzeigen.

Sehr gefreut habe ich mich über Arrhenia spathulata - ich habe diese Arrhenia noch nie selbst gefunden. Gestern war es soweit. Laut Pilze-Deutschland gibt es nur einen Fundpunkt in Südbayern, aber die Karten sind da leider nicht unbedingt aktuell (es fehlen auch die Krieglsteiner-Punkte).

Die Art ist leicht bestimmbar: Stiel praktisch ganz reduziert, Lamellen nur aderig, Hut frisch grau (nur trocken hell), keine Schnallen (etc.). Kann ein Mooskenner den Wirt eventuell bestimmen?

Hier die Fotos:







Die zweite Art ist sehr häufig und auch leicht kenntlich: Galerina clavata - sie hat keine Schnallen, die Sporen haben keine Plage, sind aber stark warzig, dafür kaum bis nicht dextrinoid (häublingsuntypisch), dann die entfernt stehenden Lamellen und fehlender Mehlgeruch und -geschmack. Die Cheilocystiden sind deutlich kopfig. Ähnlich ist nur Galerina heterocystis.

Galerina clavata kommt truppweise auf meiner "Ellerlingswiese" in Rothschwaig vor, aber nicht im Steinbruch (dort zu wenige Moose?).



Aller guter Dinge sind drei - noch ein Weichritterling. Da ist die Bestimmung ja immer so eine Sache. Die Cheilocystiden sind teils brennhaarartig, aber mit recht breitem Kopf, teils auch septiert, aber es kommen auch recht große Cystiden vor, die graduell breiter werden. Die Zuordnung ist also nicht ganz klar. Pleurocystiden gibt es, aber nur sehr vereinzelt. Diese sind eher brennhaarartig, aber der kristalltragende Hals ist hier auch um die 4 µm dick. Die Sporen sind warzig mit einzelnen Graten, also verbundenen Warzen, aber nicht netzig-gratig.
Das Stielfleisch ist in der Stielbasis fast schwarz und nach oben hin immer heller werdend. Der Geruch ist seltsam. Ich habe Lakritzgeruch wahrgenommen, später wurde es eher ein Geruch in Richtung Sauerkraut - etwas seltsam. Der Geschmack hingegen war banal pilzartig.
Der Stiel ist sehr fein längsrillig, unter der Lupe oben deutlich bepudert.
Ich komme hier beim Schlüsseln mit Bon bei Melanoleuca kuehneri raus. Ob's wirklich stimmt, weiß ich natürlich nicht sicher. Zumindest wäre die Art praticol (nicht ausschließlich, aber durchaus). In Kalkmagerrasen - hier zwar so gut wie ohne Gräser - wird es ja nicht soooo viele Weichritterlinge gben?!



Kann jemand die Bestimmung halbwegs bestätigen oder widerlegen/anzweifeln?

Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 23. November 2017, 20:46 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Servus Gernot,

Cuphophyllus pratensis s.l. passt gut zu Rudis Fund. Ich selbst bin mir nicht sicher, welchen Status Cuphophyllus ochraceopallidus verdient. Auf meiner Wiese finde ich optisch Übergänge von rein weiß zu weiß mit etwas ockerblasser Mitte hin zu deutlich durchgefärbt auf engstem Raum.

Zitat
Die Fruchtkörper waren aber nicht gerade schmächtig, insofern halte ich das eher für kein brauchbares Unterscheidungsmerkmal zu C. virgineus.

Aber dünnfleischig waren sie schon?! Und wie groß war der große Fruchtkörper?

Gestern war ich wieder unterwegs in Rothschwaig - das Wetter musste ich einfach ausnutzen. Es war dermaßen warm durch den Föhn, dass ich keine Jacke mehr braucht - sehr angenehm.

Die Kalkschotterflächen waren immer noch voll mit Pseudoclitocybe expallens, den ich hier ein bisserl vorstellen möchte. Wenn die Hüte sehr durchnässt sind, können sie ziemlich dunkel sein, fast schwarz und sind dann eigentlich kaum von Pseudoclitocybe cyathiformis zu unterscheiden. Verlieren sie aber die Nässe und sind normal durchfeuchtet, sind die viel blasser und vor allem deutlich durchscheinend gerieft. Hierbei behalten sie einen sehr dunklen, zentralen Fleck - meist mit winzigem Buckel. Trocknen sie dann weiter ab, so zeigen sie eine sehr starl ausgeprägte Hygrophanität.
Frisch riechen sie teils nach fast nichts, sobald sie aber etwas in einer Schachtel waren, riechen sie sehr stark nach reiner Blausäure, also wie ein Mönchskopf.

In Rothschwaig bildet Pseudoclitocybe fast einen Aspekt. Letzte Woche waren es sicher über Hundert Fruchtkörper - jetzt sind es zwar weniger, aber immer insgesamt noch sehr viele.

Hier eine kleine Fotostrecke...


Blasser Hut, dunkle Mitte mit kleiner Papille und deutlich durchscheinend gerieft - typisch für noch feuchte Hüte.


Links ein bereits fast abgetrockneter Fruchtkörper - der Hut ist dann sehr hell.


Eine Dreiergruppe und erneut mit dieser typischen, fast schwarzen Hutmitte mit Papille.




Hier sieht man, wie der Hut abzutrocknen beginnt und deutlich hygrophan reagiert - in zentrifugalen Streifen.


Junger, noch sehr dunkler Fruchtkörper - sehr stark durchfeuchtet.


Noch jüngerer Fruchtkörper ("Baby") und schon deutlich gerieft.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 23. November 2017, 20:23 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Gernot

  • Beiträge: 1.189
Servus in die Runde,

ich bin ähnlich skeptisch wie Christoph was Rudis Fund betrifft – bei dieser Hutoberfläche (und auch vom Habitus her) denke ich eher an Cuphophyllus pratensis inkl. var. pallidus bzw. C. berkeleyi oder wie auch immer man die hellen Kollektionen nennen möchte.

Einen Fund von heuer, den ich Cuphophyllus (virgineus var.) ochraceopallidus getauft habe, hänge ich an. Er passt m. E. gut zur Abbildung im Boertmann und stammt auch von einem Kalktrockenrasen. Die Fruchtkörper waren aber nicht gerade schmächtig, insofern halte ich das eher für kein brauchbares Unterscheidungsmerkmal zu C. virgineus. Vor ein paar Tagen ist mir übrigens aufgefallen, dass ich wohl noch gar kein Foto vom echten Jungfern-Ellerling gemacht habe – so ist das mit den "banalen" Schwammerln. :-X

Mit C. cereopallidus habe ich mich bislang übrigens noch nicht näher beschäftigt und auch eine mikroskopische Untersuchung der oben erwähnten bzw. unten gezeigten Kollektion steht noch aus.

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Servus Rudi,

so kräftig und robust kenne ich Cuphophyllus ochraceopallidus nicht. Auch ist die Hutoberfläche seltsam marmoriert. Sporen- und Basidienmaße passen aber?
Ellerlinge sind übrigens definitiv keine Saftlingen. Das hat mittlerweile auch Boertmann eingesehen.

Wenn deine Kollektion C. ochraceopallidus ist, wäre dieser Ellerling sehr variabel. Gut, warum auch nicht?

Danke für die Rückmeldung  :)

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Rudi

  • Präsidium
  • ******
  • Beiträge: 3.124
    • pilzseite
Servus Christoph,

"meine" ochraceopallida ist deutlich kräftiger, der Hut 3-5cm DM mit kräftiger Zeichnung, auch der Stiel ist dicker als 5 mm.
Gerade war ich nochmal bei meine Fundstelle, leider gabs grad davon nix mehr :'(
Deshalb kann ich nur die alten Bilder anbieten:
http://pilzseite.de/Pilzgalerie/Hygrocybe/ochraceopallida/FrameSet.htm

Die meisten Schwammerl hatte schon einen frostigen Hau mitbekommen. Schön waren noch ein Paar Fliegenpilze, viele Wiesen- sowie Jungfernellerlinge Anistrichterlinge, Clavaria kunzei und einige Galerinchen.

LG Rudi
« Letzte Änderung: 21. November 2017, 18:48 von Rudi »
Medicus curat, natura sanat (Während der Arzt kuriert, heilt die Natur-auch ihn)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Servus beinand,

ich möchte nur ein kleines Update beisteuern... Endlich konnte ich mal wieder raus in die Rothschwaig. Die Hauptsaison habe ich ja leider krank verpasst.

Jedenfalls habe ich neben Cuphophyllus colemannianus, der nicht mehr fotogen war, die üblichen weiß-cremefarbenen Ellerlinge gefunden:





Cuphophyllus ochraceopallidus - erkennbar an dem cremeockerlich-blassbräunlichen Hut. Zudem kenne ich den nur recht schmächtig und zierlich, während Cuphophyllus virgineus (s.str.). auch sehr kräftig sein kann. Letzterer wächst quasi überall, wo nicht zu viel Dünger ist, ist bodenvag (sauer und basisch), während ich C. ochraceopallidus nur von Kalkmagerrasen kenne (werde da aber gerne eines Besseren belehrt).

Jetzt gibt es das Problem, dass Cuphophyllus cereopallidus älter ist (als Caramophyllus beschrieben) und ähnlich aussehen soll. Vielleicht sind sie auch Synonym, denn müsste das, was ich hier zeige, C. cereopallidus heißen.
Laut Originalbeschreibung hat C. cereopallidus auffallend kurze Basidien, was bei meinem Fund nicht der Fall war. Aber wie variabel sind die Basidiengrößen bei Cuphophyllus? Laut Boertmann soll C. cereopallidus mehr ins Gelbe gehen. Dann beschreibt Bon in seiner Hygrophoraceen-Arbeit (dem Schlüssel) C. ochraceopallidus als trockenhütig, was Boertmann als ein davon getrenntes Taxon ansieht.

Man sieht, selbst so was "klares" wie die weißen bis weißlichen Ellerlinge sind noch nicht geklärt, was Artabgrenzung und Artkonzept angeht.

Bei meinen Funden fällt eine recht große Variabilität der Hutfarbe auf. Sie sind jung rein weiß, bekommen dann einen blassbräunlich-cremefarbenen Fleck in der Mitte, um schließlich mehr oder weniger einheitlich cremebräunlich zu werden. C. fuscescens schließe ich aber aufgrund der Sporenmaße aus (der hätte längere Sporen).

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: der weiße Trichterling bekommt vermutlich doch noch einen Namen - ich gebe mittlerweile Hias völlig recht, dass es nicht Cl. phyllophila s.str. ist. Ich bin da noch am Werkeln und werde, wenn ich über den Winter fertig bin (oder nächstes Jahr nochmal Nachschub gesammelt habe und dann nochmal alles frisch mikroskopiere) noch Spezialistenhilfe suchen  ;)
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Servus Peter,

ich bin im Moment fern ab von der Kiesgrube im wunderschönen BayerWald in Heinzens Mykozentrum (Pilzberaterkurs der BMG). Und nein, noch habe ich nicht auf Köttel geachtet - wobei ich auffällige Sachen durchaus mitnehmen würde. Es gibt aber nur sehr wenige Köttel, da die Flächen gemäht und nicht beweidet werden. Manchmal scheint sich aber größeres, tierischen dorthin zu verirren. Falls ich was kötteliges finde, bringe ich es natürlich sehr gerne nach Zeitlarn mit  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Peter P.

  • Beiträge: 426
Hallo Christoph,
da ist das Wort "Mist" gefallen. Bestimmst Du auch Arten auf selbigem, die kaum mit dem Auge zu erspähen sind ? Kannst ja nach Zeitlarn etwas Losung mitbringen, außer Hund, Mensch, Katz' und Fischreiher untersuche ich so ziemlich alles. Auch auf bajuwarischem Biber hatte ich schon eine Art, garnicht so einfach mit deren Hinterlassenschaften bei dieser Wasserspülung.
HG Peter P.
« Letzte Änderung: 30. August 2017, 00:43 von Peter P. »
Freiheit ist, das sagen zu dürfen, was andere nicht hören wollen.
Anonymus

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Griass di Hias,

im Gegenteil - dank solcher Kartierungen überwindet man sich endlich mal und beschäftigt sich auch mit weißen Trichterlingen  ;D

Zitat
... ich nehm die Teile ja auch immer mit. Allerdings mehr zum Beschreiben als zum Bestimmen, denn sichere Artnamen kommen nur selten dabei raus.

Ja, da hast du allerdings recht. Ich kann bei dem Fund auch erstmal nur ein s.l. dahintersetzen.

Zitat
C. phyllophila ss. Hias produziert tendenziell eher große Schlappen und bevorzugt feuchtere und humusreichere Waldstandorte (z.B. Erlenbruch, feuchter Fichtenwald). Meine Aufsammlungen hatten cremefarbenes, nie rosa gefärbtes Sporenpulver.

Dann sind die Clitocybe phyllophila ss. Hias nicht Cl. phyllophila ss. Korhonen, der den Rosastich explizit berschreibt. Bei mir ist der aber wirklich nur schwach ausgeprägt.
An Clitocybe phyllophila s.l. glaube ich dennoch, denn deutlich gefärbtes Sporenpulver, zapfenartige Auswüchse an den HDS-Hyphen, die dichtstehenden Lamellen (die stehen schon sehr dicht) und die quasi fehlende Inkrustierung der HDS-Hyphen lassen mich nirgendwo anders hinkommen. Der Standort und die schmächtigen Fruchtkörper sprechen dagegen, das gebe ich natürlich zu  ;)

Makroskopisch sehen die Clitocybe rivulosa ss. Hias (http://www.interhias.de/schwammerlseiten/bestimmungen/2011/tricholomataceae/fotos/foto-019.JPG) natürlich sehr ähnlich - bis auf die herablaufenden Lamellen.

Ich werde ja mehr Kollektionen machen. Vielleicht kann ich auch einen Spezialisten dazu gewinnen, die Kollektion mal nachzubestimmen. Wer weiß, welcher Name dann rauskommt. Als sicher bestimmt sehe ich die Kollektion natürlich nicht an - das wäre vermessen bei weißen (oder anderen) Trichterlingen.

LG
Christoph



Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Hias

  • Beiträge: 97
Servus Christoph,

so ein Mist, dass man bei einer Kartierung auch Trichterlinge mitnehmen muss, gell? :P

Aber Spaß beiseite, ich nehm die Teile ja auch immer mit. Allerdings mehr zum Beschreiben als zum Bestimmen, denn sichere Artnamen kommen nur selten dabei raus.

Du hast nichts zur Größe geschrieben, aber den Fotos nach zu schließen sind das eher kleine bis höchstens mittelgroße Pilze. C. phyllophila ss. Hias produziert tendenziell eher große Schlappen und bevorzugt feuchtere und humusreichere Waldstandorte (z.B. Erlenbruch, feuchter Fichtenwald). Meine Aufsammlungen hatten cremefarbenes, nie rosa gefärbtes Sporenpulver. C. rivulosa würde wohl besser zum Standort passen, die gibt es auch in Fröttmaning draußen, wo ja fast alles wächst, was du bis jetzt aus Rothschwaig gemeldet hast. Allerding gefallen mir die ausgebuchteten Lamellen nicht so recht für die Art. Du kannst ja mal mit den auf meiner Website dokumentierten Funden vergleichen:
http://www.interhias.de/schwammerlseiten/galerie/artenindex.html#C

Grüße
Hias

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Aller guten Dinge sind drei  ;D

jetzt zeige ich weder Saftlinge, noch Rötlinge, sondern einen Trichterling, einen Schirmling und einen Kartoffelbovist.

Zuerst der Trichterling. Ich hatte schon am 10.8.2017 zusammen mit Helmut Grünert einen weißen, etwas aromatisch-pilzlich riechenden, weißen Trichterling gefunden:



Ich kam mikroskopisch auf Clitocybe cf. phyllophila (vor allem wegen der HDS - die Hyphen zeigen die typischen, seitlichen, kurzen Auswüchse und bilden keine richtige Cutis, soondenr eher ein Tomentum). Leider ging der Sporenabwurf schief - ich sammelt im Regen und das Papier zog aus der Stielschnittfläche Wasser und färbte sich ein, sodass der Farbeindruck nicht zu prüfen war. Der Rest war schon auf dem Dörrex und der sporulierende Hut wollte nimmer.

Jetzt kam zum Glück ein neuer Schub an gleicher Stelle:







 Diesmal klappte der Sporenabwurf und es zeigte sich ein recht deutliches cremegelblich - ob jetzt mit Fleischton oder nicht, hm, schwer zu entscheiden. So richtig rosa ist es nicht. Man kann es sich aber einbilden.
Die Sporen sind wie folgt:
(4,25-)4,5-5,1-5,75 x 3,0-3,4-3,75 µm
Q = 1,3-1,49-1,7
Die Sporen sind an der Seite des Apikulus abgerundet, nicht ausgezogen. Sie sind zudem näher am Apikulus am breitesten, also nicht rein ellipsoid. Dafür ist das dem Apikulus entgegengesetzte Ende der Spore oft etwas schmaler abgerundet bzz. minimal ausgezogen. Es gibt aber auch normal ellipsoide Sporen.
Sporentetraden sind mir nicht aufgefallen.
Die HDS ist nicht inkrustiert (nur wenige, farblose, winzige Kristalle).
Die Stielbasis neigt dazu, etwas felsichfarben zu werden und dei Lamellen stehen sehr dicht.

Passt alles eigentlich ganz gut für Clitocybe phyllophila. Mich verwirren nur die doch sehr dicken, groben, weißen Rhizomorphen.

Der Wuchsort liegt in der Nähe des Wiesenrandes, wo ab Mittag Bäume Schatten werfen - dort ist es also nicht so extrem trocken-heiß wie an anderen Stellen. Direkte Begleitarten waren Entoloma incanum, Entoloma excentricum und Hygrocybe conica.

Auf der selben Wiese, auch im Schattenbereich, fand ich dann noch einen Einzelfruchtkörper eines Schirmlings:





Auch hier war Entoloma incanum in direkter Nähe. Der Schirmling sah aus wie und roch wie ein Stinkschirmling. Und siehe da, es ist auch einer. Die HDS besteht aus keuligen Endzellen (hymeniforme HDS ohne lange Haare), die Sporen sind typisch geformt und auch die Maße passen: Sie gehen bis maximal 7 x 3,5 µm. Ich kannte die Art bisher eher als Nitratzeiger, aber offenbar ist es ein Ubiquist, der auch auf Magerstandorten wachsen kann.

Als letzten Fund zeige ich etwas ebenfalls eher Häufiges: den Leopardenfellbovist, Scleroderma areolatum:





 Die Peridie ist sehr dünn, im Schnitt rötet sie, die Hyphen schnallenlos, die Sporen ohne Netz, nur mit Stacheln (die nur teils etwas verbunden sind und nur in Ausnahmefällen wenige, einzelne Netzmaschen andeuten). Die größten Sporen, die ich fand, waren 14,25 µm im Durchmesser. Das ist etwas klein für die Art, aber noch deutlich größer als die sonst im Mikroskop recht ähnliche Scleroderma cepa.
Der Symbiodepartner ist eine Stieleiche, die auf der Fläche steht.

Soweit die Neuigkeiten aus Rothschwaig. Ich werde erst im September wieder auf die Fläche gehen können.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 25. August 2017, 00:38 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
So, nun der eben angekündigte Rötlingsbeitrag. Entoloma excentricum ist noch da, aber nur noch vereinzelt, aber an mehreren Stellen im Gebiet. Dafür habe ich nach ein paar wenigen Schritten einen guten Bekannten aus Moor- und Feuchtwieden gefunden: Entoloma mougeotii - die Art hat eine recht breite ökologische Potenz, solange nicht aufgedüngt wird. Der deutsche Name "Schiefergrauer Zärtling" passt wunderbar, denn schiefergrau ist die Art. Jung zeigt sie aber deutliche Violettöne im Schiefergrau und ist dann richtig hübsch. Hier ein paar Fotos:









Und dann ging ich auf den hintersten Bereich der Flächen und musste aufpassen, wo ich hintrete. Es war ein regelrechter Aspekt der wunderschön grünen Entoloma incanum. Man könnte die Art farblich fast für einen Saftling halten. Der Gestank nach verbrannten Fingernägeln bzw. nach Mäusekot stört da gar nicht. Immer wieder gab es ganze Gruppen zu bestaunen, auch Einzelfruchtkörper - und das im Grün der Vegetation. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Es war beeindruckend.









Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 25. August 2017, 00:35 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Hallo zusammen,

am 23.8.2017 war ich wieder im rothschwaiger Trockenrasen unterwegs - und siehe da, es gab (logischerweise) neue Arten. Ich fange aber erstmal mit etwas Bekannten an: Hygrocybe acutoconica. Sie sprießen noch immer auf der gesamten Fläche. Es gibt sie in groß, mit Orangetönen und 4-sporigen Basidien auf der Fläche und zudem kleiner, rein gelb und mit einem jung auffallend opaquen Hutbuckel.


Hier steht ein schön gefärbtes, orangehütiges Prachtexemplar mitten im Schotter des Kiesgrubenhangs.


Und hier sieht man, dass das Epitethon "acutoconica" passend gewählt wurde. Diese Zipfelmützenform sieht man auch immer wieder.

Ich habe diesmal routinemäßig ein paar Winzlinge mitgenommen (nicht, dass das doch was anderes ist) und siehe da: wieder die 2-sporige H. acutoconica.


Hier sieht man die glasig-opaque Hutmitte/Papille gut.

Dann habe ich als "neue" Art (bin ja erst einen Monat aktiv auf der Fläche, da ist fast alles noch neu) einen schwärzenden Gattungskollegen gefunden. Makroskopisch klar - Lamellen nicht rot, sondern blass gelb, Hut aber mit zwar gebrochen-schmutzigen Rottönen, aber eben mit Rottönen - insofern eine klassische Hygrocybe conica:





Und siehe da, 2-sporige Basidien, keine Schnallen, also die "klassische", asexuelle Form. Eins war aber dann doch interessant an der Aufsammlung. Ich weiß ja, dass die Sporenmaße bei Hygrocybe conica recht variabel sind (Artenagregat oder eine extrem plastische Art?). Ich bekam hier heraus:
(8,75-)10,0-11,0-12,5 x (6,25-)7,5-8,6-9,75(-10,25) µm
und Q = (1,1-)1,2-1,29-1,4(-1,6)
Die Sporen sind teils also schon sehr nah an der Kugelform, auf alle Fälle sind sie auffallend breit elliptisch, extremer, als in meiner Literatur verzeichnet. So gibt Boertmann für den Durchschnittswert des Quotienten 1,5-1,9 an, ich habe 1,3. Ich habe es jedenfalls vermerkt und werde auch in Zukunft darauf achten. Die Art ist ja nicht gerade selten.

Soviel zu den Saftlingen. Ich mache dann gleich mit Rötlingen weiter...
LG
Christoph
« Letzte Änderung: 25. August 2017, 00:06 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.575
  • Präsident
    • BMG e.V.
Und noch ein Update - ein für solche Habitate typischer Risspilz: Inocybe dulcamara. Er gehört zur Untergattung Mallocybe (die meines Erachtens Gattungsrang verdient - bzw. aufgrund der Ergebnisse, die Ludwig Beenken in siner Diplomarbeit über die Mykorrhizen der Gattung Inocybe herausgefunden hat).







Makroskopisch sehen sich da mehrere Arten doch recht ähnlich und mikroskopisch sind sie etwas unspektakulär. Sporenmaße, Cystidenform und Makroskopie passen hier aber sehr gut auf die wohl häufigste Art dieser Untergattung.

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)