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Autor Thema: Der Cantharellus-Fred  (Gelesen 691 mal)

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Offline Christoph

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #14 am: 25. Juli 2017, 18:39 »
Servus Christian,

meines Wissens ist Bart Belgier - und sein Nachname wird richtig "Böck" ausgesprochen. Und natürlich kann er fließend Englisch. Ludwig Beenken hatte ihn mal vor Jahren wegen einer Russula, die wir in Bolivien gesammelt haben (Ludwig und ich) angeschrieben und hatte da einen sehr guten, netten Kontakt.

Zudem ist Bart ja dran, Cantharellus weltweit zu bearbeiten. Insofern wird ihn eine Kollektion aus Panama sicherlich interessieren (sage ich mal).

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 26. Juli 2017, 12:19 von Christoph »
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Älbler

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #13 am: 25. Juli 2017, 18:23 »
Hallo Christoph und Gernot,

vielen Dank für die Cantharellusseiten und dir Gernot, für den Hinweis zu den Russulales News. Dort bin ich gleich hängen geblieben, weil wir auch einige Milchlinge und Täublinge gefunden haben.

Kann ich den Bart Buyck auf englisch anschreiben? Er scheint Franzose zu sein!

Wir hatten übrigens eine offizielle Sammelgenehmigung und unsere Funde sind als Exsikkate dort (UNACHI) im Herbar hinterlegt. Ich gehe davon aus, dass es für das Material auch Ausfuhrgenehmigungen für wissenschaftliche Zwecke geben wird.

Viele Grüße
Christian


Offline Gernot

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #12 am: 25. Juli 2017, 09:56 »
Danke für den Link, Christoph, den kannte ich noch nicht (wohingegen ich die entsprechende Seite für Russulales schon öfter besucht habe – ebenfalls sehr zu empfehlen).

Beim Durchschauen der "exotischen" Arten sprang mir Cantharellus minor, "a small hygrophoroid chanterelle with often fistulose stipe", ins Auge. Vielleicht geht Christians Fund ja in diese Richtung?

Es ist aber in jedem Fall eine gute Idee, einen der weltweiten Spezialisten für diese Pilze zu kontaktieren.

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #11 am: 25. Juli 2017, 08:52 »
Servus beinand,

ich habe ganz vergessen, auf folgende Website hinzuweisen:

Cantharellus News

http://www2.muse.it/cantharellus-news/welcome.asp

Zitat daraus:
Zitat
One of the goals of the editors of Cantharellus News is to provide, together with the nomenclatural data of the different taxa, a good number of high quality colour photographs of Cantharellus species from all over the world.

Es sind zwar noch relativ wenige Arten darauf enthalten, obewohl die Seite schon relativ lange besteht, aber vielleicht wächst sie noch.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #10 am: 24. Juli 2017, 21:03 »
Servus Christian,

bist du sicher, dass die Basidien nicht 5-sporig sind? Auf deinem Bild sehe ich ein Sterigma seitlich ansitzen, das asymmetrisch im Vergleich zu den anderen platziert ist. Die Sporenmaße und die Basidien würden dann auf Cantharellus coccolobae passen, allerdings nicht der hohle Stiel.

Vergleiche hier: http://www.thicketofdiversity.org/static/media/uploads/TOD%20Files/Published%20Papers/391_403_buyck_light.pdf

Ich würde empfehlen, einfach mal Bart Buyck anzuschreiben, wenn du eine ausführliche Beschreibung zusammengestellt hast. Er arbeitet nicht nur mit Russula, sondern auch schon seit vielen Jahren mit tropischen Cantharellaceae. Die Kontaktdaten findest du in dem über diesem Absatz verlinkten Artikel.

LG
Christoph
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Offline Älbler

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #9 am: 24. Juli 2017, 16:58 »
Hallo Gernot,

als ich den Pilz in der Hand hatte, dachte ich sogar zuerst an etwas Marasmioides!
Die Mikroskopie zeigte aber "geschummerte" Sporen wie sie bei Gallertpilzen oder Cantharelloiden vorkommen und clavulinaartige Basiden (siehe Fotos). Die Sporen hatten einen freien Hof um den Apikulus, wie ich es schon bei Craterellus tubaeformis gesehen habe.

Hier noch meine Notizen zu dem Fund:

Sporen 8 - 10 x 5 - 6 ym, ovoid bis breit ellipsoid mit öligem Inhalt, der den Apikulus freilässt, glatt, HDS eine Kutis mit verwobenen Hyphen, Septen mit Schnallen, Basidien mit öligem Inhalt, 4-sporig, clavulina-artig.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Pilz schon beschrieben ist.

Viele Grüße
Christian

Offline Gernot

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #8 am: 24. Juli 2017, 13:26 »
Servus, Christian,

zu dem Fund kann ich leider auch nicht viel sagen. Ganz spontan hätte ich ja eher an etwas Hygrocyboides gedacht aber da kann ich natürlich weit daneben liegen... Hast du den einmal genauer mikroskopisch angeschaut?

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #7 am: 24. Juli 2017, 11:55 »
P.S.: Ich habe gerade einen interessanten Übersichtsartikel gefunden - das Editorial von Bart Buyck zur Cantharellus-Sonderausgabe der Cryptogamie, Mycologie, 2016, 37 (3): 255-258

hier frei zu lesen:

https://www.researchgate.net/publication/309236854_SPECIAL_ISSUE_CANTHARELLUS_Editorial_Towards_completing_the_world_inventory_for_Cantharellus

Ich zitiere (und hebe durch Fettdruck hervor):
Zitat
As the microscopical diversity among the various species in the genus is rather limited, general field characteristics such as overall color, size and shape have always taken a very important place in the delimitation and identification of species.
As a consequence, the use of molecular data to delimit species in Cantharellus may result in a reduction rather than a multiplication of accepted species, contrary to what can be observed in other genera of the cantharelloid clade, such as Hydnum (Feng et al. 2016). This is here particularly well illustrated by the extreme example of the newly described C. velutinus (Buyck et al. 2016e), the variability of which
has met with much disbelief among colleagues
. It is therefore not surprising that recent revisions of European chanterelles (Olariaga et al. 2015, 2016) resulted in a rather impressive reduction of the currently accepted European Cantharellus from 24 (Eyssartier & Buyck 2000) to merely eight species, each of these being highly variable in overall color, as well as in size and general habit.

Ich vermute, du wirst diese Ausgabe der Cryptogamie, Mycologie brauchen ^^
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Offline Christoph

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #6 am: 24. Juli 2017, 11:35 »
Servus Christian,

zunächst: dann wirst du diesen Artikel brauchen: Wu, Q-X., & Mueller, G. M. (1995). The genus Craterellus (Basidiomycetes, Aphyllophorales) in Costa Rica and Colombia. Documents Mycologiques XXV: 487-496.

Ich habe allerdings keinen Zugang zur Doc. Mycol. - vielleiche hat Meike Piepenbrink den Artikel und kann ihn dir geben...

Hier findest du einen recht aktuellen Artikel: https://www.researchgate.net/publication/225286930_Cantharellaceae_of_Guyana_I_New_species_combinations_and_distribution_records_of_Craterellus_and_a_synopsis_of_known_taxa

Bei den Gattungsmerkmalen bezog ich mich natürlichauf Europa - inwiefern das mit dem hohlen Stiel weltweit gilt, weiß ich nicht. Gelbe Pigmente gibt es auch bei Craterellus (denk an Craterellus xanthopus). Erst dachte ich bei deinem Foto an Cantharellus guayanensis, aber der hat nicht so extrem anastomisierende Leisten und ich glaube, dass der Stiel nicht hohl ist, wenn ich mich recht erinnere.

Ob Carotinoide vorliegen oder ein anderer, gelbroange-Farbstoff, sieht man von außen nicht. Und auch hier weiß ich nicht, ob das Merkmal weltweit gilt (danke Gernot, für die Ergänzung).

Ich habe auch Probleme, Clavulina von Craterellus abzutrennen (in den Tropen, da gibt es Clavulinae, die wie Totentrompeten aussehen). Aber die sind dann zumindest grau-schwarz.

Ich meine aber, deinen Pilz zu kennen - muss mal in aller Ruhe nachdenken, wo ich den schonmal gesehen habe (also in welchem Artikel - gefunden habe ich ihn nicht - ich war ja nicht weit weg von Panama aktiv, nämlich auf der anderen Seite der Grenze in Kolumbien im Deptm. Chocó).

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 24. Juli 2017, 11:42 von Christoph »
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Offline Älbler

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #5 am: 24. Juli 2017, 10:32 »
Hallo Gernot und Christoph,

ist dann dieses Exemplar aus Panama auch eine Craterelle? Der Stiel war hohl aber die Pigmentierung (Farbe) erscheint mir schon sehr carotinoid.

Viele Grüße
Christian

Offline Gernot

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #4 am: 23. Juli 2017, 23:22 »
Hallo, zusammen,

vielleicht auch noch ein kurzes Zitat aus der Arbeit von Olariaga et al. (für Download-Link siehe den anderen Cantharellus-Fred):

Zitat
The controversial boundary between Cantharellus and Craterellus Pers.: Fr. (Corner 1966; Petersen 1971), both classified in Cantharellaceae, has been resolved with aid of molecular data (Dahlman et al. 2000; Moncalvo et al. 2006). Compared to Craterellus, Cantharellus is featured by having bicyclic carotenoids and, with few exceptions, basidiomata with a solid stipe (Buyck et al. 2014).

Anscheinend gibt es also auch Unterschiede bei den Carotinoiden (neben den von Christoph schon erwähnten Punkten).

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #3 am: 23. Juli 2017, 22:55 »
Servus Christian,

man trennt genetisch  ;). Damit korreliert aber die Makroskopie: Stiel hohl und/oder Fruchtkörper grauend bis schwärzend: Craterellus

Stiel immer kompakt, nie hohl: Cantharellus.

Craterellus ianthinoxanthus und Craterellus melanoxeros sind die einzigen beiden Craterellen, die mir einfallen, die einen vollen, nie hohlen Stiel haben. Beide schwärzen aber bzw. grauen zumindest.

LG
Christoph
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Offline Älbler

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Re: Der Cantharellus-Fred
« Antwort #2 am: 23. Juli 2017, 21:32 »
Hallo Christoph,

wie werden denn Cantharellus und Craterellus auf Gattungsebene voneinander unterschieden? Mich würden dabei besonders die Mikromerkmale interessieren.

Viele Grüße
Christian

Offline Christoph

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Der Cantharellus-Fred
« Antwort #1 am: 22. Juli 2017, 15:16 »
Hallo zusammen,

aufgrund der aktuellen Diskussion zu Cantharellus ferruginascens (http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1550.0.html) habe ich den Schlüssel, der in der dort zitierten, aktuellen Arbeit über Pfifferlinge in Europa, ins deutsche übertragen und minimal angepasst. Ich selbst muss mein Artkonzept erstmal an das der Revision der Gattung für Europa (https://www.researchgate.net/publication/310464972_Cantharellus_Cantharellales_Basidiomycota_revisited_in_Europe_through_a_multigene_phylogeny) anpassen.

Vielleicht können wir hier unsere Erfahrungen bezüglich der Gattung an sich zusammentragen. Als Startpunkt hier der Schlüssl nach der oben verlinkten Studie von Olariaga et al. (2016):

1 Hutdurchmesser gewöhnlich nicht 30(-50) mm Breite; Stiel bis 10 mm dick; Hyphen an der Hutoberfläche dünnwandig (nur selten dickwandig); Fruchtkörper dünnfleischig, Hutrand wellig, nicht eingerollt …............................................ 2
1* Hutdurchmesser bis 130 mm; Stiel bis 20 mm dick; zumindest einzelne Hyphen der Hutoberfläche dickwandig; bei kleinen, schmächtigen Fruchtkörpern (< 30 mm Durchmesser) ist der Hutrand eingerollt und der Fruchtkörper fleischig ….......................... 3

2(1) Hut rosaorange bis orangerot gefärbt; Fruchtkörper auf Druck nicht fleckend; Stielbasis farblich nicht abgesetzt; meist unter Fagus (auf sauren Böden); - falls Hyphen der Hutoberfläche dickwandig: vgl. C. roseofagetorum …................................................. Cantharellus friesii
2* Hut orangegelb bis ockergelb, manchmal weiß, manchmal auf Druck fleckend; Stielbasis häufig rot; unter Laub- und Nadelbäumen …........................................ Cantharellus romagnesianus

3(1) Hymenophor jung weiß oder weißlich, häufig bis zum äußersten Hutrand so bleibend; bei Laubbäumen (Fagaceae oder Betluaceae) …........................................... 4
3* Hymenophor schon jung gelb-ocker bis orangegelb, zumindest nahe des Hutrandes; bei Laub- und Nadelbäumen ................ 6

4(3) Art der Mittelmeerregion, mit immergrünen Eichen assoziiert und auf kalkhaltigen Böden vorkommend; Hut mittelgroß bis groß, niemals zitronengelb und niemals mit grünlichem oder bräunlichem Ton …............................................. Cantharellus alborufescens
4* Nicht mit mediterranen, immergrünen Eichen assoziiert; Hut klein bis mittelgroß, manchmal zitronengelb mit grünlichem oder bräunlichem Ton …......................................... 5

5(4) Hut ohne weißen Überzug/Reif; Hutfarbe jung gewöhnlich kühl zitronengelb ….......... Cantharellus ferruginascens
5* Hut jung mit weißem Überzug/Reif; Hutfarbe ockergelb, wenn der Reif verschwunden ist; bislang nur aus Georgien unter Fagus orientalis bekannt …............................... Cantharellus roseofagetorum

6(3) Hut gewöhnlich mit rosa bis violettem Überzug, der in der Hutmitte meist auch bei alten Fruchtkörpern erhalten bleibt (und zu Areolen oder Schuppen aufreißt); Sporen: Lm = 10,1-10,7 µm, Bm = 5,2-6,1 µm; Fruchtkörper bei Berührung deutlich fleckend ….................................... Cantharellus amethysteus
6* Hut ohne rosa oder violettlichen Überzug; Hut gewöhnlich nicht schuppig; Sporen: Lm = 7,5-8,9 µm, Bm = 4,0-5,3 µm; Fruchtkörper fleckend oder auch nicht fleckend …............................................. 7

7(6) Hut nicht oder nur teilweise mit einem silbrig-weißem Überzug; Fruchtkörper nicht oder nur kaum fleckend; Hymenophor einheitlich ockergelb bis orangegelb gefärbt …....................... Cantharellus cibarius s.str.
7* Hut jung immer teils oder ganz mit weißem Überzug, der später fleckenweise verschwindet; Hymenophor typischerweise zum Hutrand hin mit auffallend intensiverer Färbung ….......... Cantharellus pallens

« Letzte Änderung: 24. Juli 2017, 21:05 von Christoph »
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