A A A A
Autor Thema: Morchella eohespera, eine neue Morchelart, die auch in Deutschland vorkommt  (Gelesen 210 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline blacky

  • Beiträge: 38
  • Per aspera ad astra.
Danke Christoph für deine ausführlichen Darlegungen.
Wichtig ist mir auch, dass ich für dieses Thema sensibilisiert bin, da ich dann auch bei Veröffentlichungen genauer hinschaue. Ich weiß zwar wenig zu diesem Thema, aber wenn ich eine Morchel bestimmen möchte, habe ich jetzt im Hinterkopf, dass sich da einiges getan hat und tut.
LG.
Thomas
Keine Verzehrfreigaben. Alle Beiträge, Auskünfte und Darlegungen sind unverbindlich.

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.534
  • Präsident
    • BMG e.V.
Lieber Thomas,

nicht nur bei den Spitzmorcheln, sondern auch bei den Speisemorcheln.

Zitat
Weißt du wann da ungefähr mit einer Veröffentlichung von Ergebnissen od. Teilergebnisse gerechnet werden könnte?

Das passiert im Moment am Laufenden Band - wie beispielsweise die hier von mir zitierte Publikation. Du meinst vermutlich sowas wie eine Gattungsmonographie? Ich fürchte, das wird dauern. Im Moment werden meines Wissens ca. 60 Morchelarten weltweit anerkannt (dafür, dass man bis vor kurzem für die Nordhalbkugel von ca. drei Arten ausging, ist das phänomenal).

Das Problem ist, dass sich Morcheln offenbar genetisch trennen lassen, aber die Bestimmungsmerkmale nicht immer klar sind. Ich traue mir beispielsweise nicht zu, Morchella crassipes sicher zu erkennen, oder Morchella andalusiae von Morchella vulgaris (usw.).

Morchella anatolica, die auch in Spanien vorkommt (nicht nur in Anatolien) ist hingegen einfach bestimmbar (mit Violetttönen, sehr klein, "verhunzt", Spüoren deutlich gestreift.

Im Moment publizieren neben Voitk (et al.) auch Clowez, Romero und andere über die spannenden Morcheln. Ichbin auch gespannt, ob und wann Bestimmungsschlüssel existieren (oder zumindest Bestimmungstabellen). Ich selber habe auch den Überblick etwas verloren.

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline blacky

  • Beiträge: 38
  • Per aspera ad astra.
Lieber Christoph,
gut zu wissen, dass sich bei den Spitzmorcheln was tut. Weißt du wann da ungefähr mit einer Veröffentlichung von Ergebnissen od. Teilergebnisse gerechnet werden könnte? Oder weißt du was über den derzeitigen Forschungsstand?
Danke für die bisherigen Informationen.
LG.
Thomas
Keine Verzehrfreigaben. Alle Beiträge, Auskünfte und Darlegungen sind unverbindlich.

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 1.534
  • Präsident
    • BMG e.V.
Hallo zusammen,

die Morcheln werden ja immer komplizierter. Es gibt unter den Spitzmorcheln Arten mit längsgestreiften Sporen. Morchella anatolica ist so ein Beispiel - hier sieht man die Längsrillen auch im Lichtmikroskop (eshandelt sich um eine mediterrane, violettlich gefärbte Spitzmorchel).

Nun wurden Anfang 2016 weitere Arten mit längsgestreiften Sporen beschrieben (mir fehlt aber der Überblick, welche Arten dieses Merkmal noch aufweisen):

Andrus Voitk, Michael W. Beug, Kerry O’Donnell & Michael Burzynski (2016)
Two new species of true morels from Newfoundland and Labrador: cosmopolitan Morchella
eohespera and parochial M. laurentiana, Mycologia, 108:1, 31-37, DOI: 10.3852/15-149

Darunter Morchella eohespera, die sowohl in den USA, in Neufundland, in China als auch in Europa (Schweden, Niederlande, Deutschland, Schweiz) vorkommt.
Sie fruktifiziert relativ spät (April bis Juni), zeichnet sich mikroskopisch durch die im Rasterelektronenmikroskop deutlich längsgestreiften Sporen sowie lichtmikroskopisch durch kopfige, sterile Elemente an den Wabenkanten aus. Zudem fehlen den Sporen die polaren Tröpfchen.
Der fertile Fruchtkörperteil ist vom Stiel deutlich abgesetzt und die Längsstege der Waben dominieren.
Die Streifung ist auf den SEM-Bildern so deutlich, dass sie eigentlich auch lichtoptisch mit einem sehr guten Mikroskop zu sehen sein müssten, denke ich (Interferenzkontrast).

Am "einfachsten" geht die Bestimmung über Sequenzierung. Ich muss zugeben, dass ich im Moment bei den Morcheln die Übersicht verloren habe.

Voitk et al. (2016) meinen selber, dass die zweite, von ihnen beschriebene Art, die aber offenbar nur in Nordamerika vorkommt, sicher nur per Sequenzierung bestimmt werden kann. Zudem bevorzugt diese Art, Morchella laurentiana, anthropogen gestörte Böden, während Morchella eohespera naturnähere Standorte bevorzugt. Zudem unterscheiden sie sich wohl in der Fruktifizierzeit - Morchella laurentiana kommt früher im Frühjahr.

Morcheln sind spannender als je zuvor. Die Spitzmorcheln werden zurzeit völlig aufgedröselt - die Zeit von Morchella conica als eine Art ist längst vorbei.

LG
Christoph

Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)